Ich saß ganz hinten in einer Konferenzhalle und beobachtete eine Abschiedsfeier, die vorne im Raum stattfand. Ein Unternehmen verabschiedete sich von einem Teammitglied. Als die Vorgesetzte die Anwesenden bat, ein paar freundliche Worte über die scheidende Kollegin zu sagen, hatte – abgesehen von der einen Person, mit der sie direkt zusammengearbeitet hatte – niemand wirklich etwas zu sagen. Einige standen auf und versuchten sich unbeholfen an einem Abschied. „Sie wirkte immer sehr nett.“ „Auch wenn wir nie miteinander gesprochen haben, schien ihre Arbeit gut gemacht zu sein.“
Die ganze Situation traf mich tief. Und während ich den Saal verließ, musste ich denken, diese Frau hatte jahrelang mit diesen Menschen gearbeitet, und doch hatte sie eigentlich nur eine Person wirklich gekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Team ihren Weggang auf eine persönliche, unersetzliche Weise spüren würde, war gering.
Das hat mich irgendwie beunruhigt. Ich dachte an meine Interaktionen mit meinen Kollegen und fragte mich: Würde das auch auf mich zutreffen? Oder würde man sich an mich erinnern, nicht nur als eine Angestellte, sondern als Amy, als die, die ich bin, mit meinen Gedanken und dem, wie ich auf andere gewirkt habe? Viele Bereiche meines Berufslebens sind mit viel persönlichem Kontakt verbunden – Unterrichten, Beraten, Organisieren, Planen und Üben. Ich fragte mich, ob ich mich bewusst darum bemühe, das Leben anderer zu bereichern. Wie würde man sich an mich erinnern?
Diese innere Krise brachte mich dazu, meine Kolleginnen und Kollegen genauer zu beobachten. Ich überlegte, wen von ihnen ich wirklich kannte. Und dabei fiel mir etwas Interessantes auf: Diejenigen, die am „kennbarsten“ waren, waren immer die, die selbst versuchten, alle anderen kennenzulernen. Sie kamen bei gesellschaftlichen Anlässen mit jedem ins Gespräch, begrüßten auch die scheinbar „unwichtigsten“ Kollegen und zeigten Interesse an deren Projekten. Kurz gesagt: Wer andere wahrnahm, wurde selbst wahrgenommen. Wer den Blick nach außen richtete, weckte ganz automatisch auch das Interesse anderer. Diejenigen, die am einflussreichsten waren, übten diesen Einfluss aus, weil sie sich um andere kümmerten, und im Gegenzug kümmerten sich die Menschen um sie.
Einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und Gemeinschaft zu schaffen, lief für mich letztlich auf eines hinaus: Liebe! Die Menschheit so sehr zu lieben, dass man sich auf jeden Einzelnen einlässt. Verbindung wertzuschätzen und sie bewusst zu pflegen.
Wie Paulus in Römer 14,7 sagte, solle niemand „für sich selbst leben.“ Und Jesus sagte, die größte Liebe bestehe darin, sein Leben – und die eigene Bedeutsamkeit, Individualität oder Unabhängigkeit – für andere hinzugeben (Johannes 15,13). In einer Zeit, in der so viele unter Isolation und Einsamkeit leiden, ist es eine wesentliche Pflicht eines Christen, mit seinen Mitmenschen in Verbindung zu treten und sie zu lieben. Ich denke, das wäre ein Ziel, auf das Jesus stolz wäre.
