Nie zuvor habe ich Freundschaften so sehr geschätzt wie während meiner kürzlichen Gesundheitskrise. Nach einer achtstündigen Herzoperation und zwei Tagen im künstlichen Koma wachte ich auf und stellte fest, dass meine Frau und ich von einem wunderbaren Netzwerk lieber Freunde unterstützt und umsorgt wurden, durch buchstäblich Hunderten von Nachrichten aus aller Welt, die ich durch Sprechnachrichten und E-Mail erhielt. Die Ermutigung und das Mitgefühl meiner Freunde gaben mir genau den nötigen Auftrieb, um wieder zu Kräften zu kommen. Durch diese Erfahrung habe ich den wahren Wert von Freundschaft neu erkannt.
Plötzlich wurde mir bewusst, dass jede Minute, die ich diesen Menschen gewidmet hatte – jeder Anruf, jeder Besuch, jede geschriebene Nachricht – etwas ganz Besonderes aufgebaut hatte. Oft bin ich so in meine Arbeit vertieft, dass ich die Beantwortung einer privaten Nachricht aufschiebe oder es versäume, inne zu halten und den Herrn um Hilfe bei einem Gebetsanliegen zu bitten. Doch nach dieser schweren Zeit wurde mir bewusst, wie wertvoll es ist, sich Zeit für einen Freund zu nehmen oder einem Kollegen aufmerksam zuzuhören, der gerade ein offenes Ohr braucht.
Andererseits erfordern echte Freundschaften nicht immer einen großen Zeitaufwand. Eine Freundin, die wir seit mehreren Jahren nicht gesehen hatten, tauchte kurz vor meiner Operation plötzlich in der Notaufnahme des Krankenhauses auf. Sie ist eine bekannte Ärztin, und als sie von meiner Situation hörte, machte sie sich sofort auf den Weg, um mir persönlich Mut zuzusprechen. Ihre Reaktion war so schnell, dass sie sogar noch vor meinem Krankenwagen im Krankenhaus ankam! Wie unglaublich ermutigend das für mich in diesem entscheidenden Moment war, kann ich kaum in Worte fassen.
Während ich in dieser Woche im Krankenhausbett lag, spielten die vielen Nachrichten von Freunden und Bekannten eine wichtige Rolle in meiner Genesung. „Wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!“ (Sprüche 15,23).
Oft hören wir von Freunden, die uns hintergehen oder gerade dann nicht da sind, wenn wir sie brauchen. Auch die Bibel spricht davon – man denke nur an Judas im Leben Jesu oder an manche Erfahrungen Davids. Doch wir sollten ebenso von denen hören, die an unserer Seite stehen und in der Stunde der Not auftauchen! Wie ich in meiner eigenen Zeit der Schwäche erlebt habe, waren zahlreiche Freunde da, um mich zu stärken und unsere Familie zu unterstützen.
Alles, was es brauchte, um diese Verbundenheit aufzubauen, war ein wenig Zeit und echte Anteilnahme: ein Gebet für jemanden in einer schwierigen Lage, ein Wort des Vertrauens für einen anderen in einem Moment der Angst, ein rechtzeitiger Anruf, ein Hauch von Humor, ein ehrliches Kompliment für gute Arbeit. Wie es in den Sprüchen heißt: „Ein Freund liebt zu jeder Zeit, und als Bruder für die Not wird er geboren“ (Sprüche 17,17).
Vergessen wir nicht, dass Jesus selbst – obwohl er der Sohn Gottes ist – uns als Freunde bezeichnet hat (sieh Johannes 15,14–15). Und wenn du inspirierende Beispiele tiefer Freundschaft lesen möchtest, dann schau dir die Geschichte von Ruth und Noomi an (Ruth 1,16–17) oder die von David und Jonathan (1.Samuel 18,1–4).
Vor einigen Jahren war „Networking“ das Schlagwort – die Idee dabei ist, möglichst viele Kontakte zu sammeln, die einem später einmal nützlich sein könnten. Das biblische Verständnis ist jedoch ein ganz anderes. Jesus sagte, wir sollen Gutes tun und großzügig geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten (Lukas 6,35). Er sagte auch: „Umsonst habt ihr‘s empfangen, umsonst gebt es auch“ (Matthäus 10,8). Wenn wir in der Hoffnung geben, irgendwann etwas zurückzubekommen, könnten wir die Freude verpassen, die selbstlose Liebe mit sich bringt.
Der berühmte brasilianische Sänger Roberto Carlos schrieb vor einigen Jahrzehnten ein Lied, das ganz Lateinamerika geprägt hat und bis heute im Radio zu hören ist. Darin heißt es sinngemäß: „Ich möchte eine Million Freunde haben, damit wir mit stärkerer Stimme singen können. Ich möchte dieses Lied der Freundschaft mit allen teilen, die es brauchen.“ In meiner Zeit des Leidens fühlte es sich tatsächlich so an, als hätte ich eine Million Freunde.
Wenn du dich einsam fühlst, in einer isolierten Situation steckst oder dazu neigst, dich zurückzuziehen, möchte ich dich ermutigen, auf andere zuzugehen. Ergreife die Initiative und beginne ein freundliches Gespräch. Höre mit Einfühlungsvermögen zu. Reiche eine helfende Hand. Wie es in dem kleinen Gedicht heißt:
Ich ging hinaus, um einen Freund zu finden,
doch keinen traf ich dort;
ich ging hinaus, um ein Freund zu sein,
und Freunde waren überall.
„Zwei haben es besser als einer allein: Zusammen erhalten sie mehr Lohn für ihre Mühe. Wenn sie hinfallen, kann einer dem anderen aufhelfen. Doch wie schlecht ist der dran, der allein ist und fällt, und keiner ist da, der ihm beim Aufstehen hilft! – Prediger 4,9–10
„Zu einem Freund, dem es schlecht geht, sollte man freundlich sein, selbst dann, wenn er den Allmächtigen nicht mehr fürchtet.“ – Hiob 6,14
„Der ehrliche Rat eines Freundes ist so angenehm wie Öl oder Weihrauch. Lass niemals einen Freund im Stich – weder deinen eigenen noch den deines Vaters. Dann wirst du, wenn du selbst in Not bist, … Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne“ (Sprüche 27,9–10).
