Römer 12 ist eines dieser Kapitel, bei denen mir jedes Mal beim Lesen etwas neu ins Auge springt. Wenn ich merke, dass mein Glaubensweg ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten ist, zeigt mir dieser Abschnitt ganz klar die Richtung. Dort heißt es:

„Liebt einander mit aufrichtiger Zuneigung und habt Freude daran, euch gegenseitig Achtung zu erweisen. Werdet nicht nachlässig, sondern lasst euch ganz vom Geist erfüllen und setzt euch für den Herrn ein. Freut euch in der Hoffnung, haltet durch in schweren Zeiten, bleibt beständig im Gebet. Wenn andere Gläubige in Not geraten, steht ihnen zur Seite und helft ihnen. Seid gastfreundlich und öffnet für Gäste euer Haus. Wenn ihr verfolgt werdet, weil ihr zu Christus gehört, dann verflucht eure Verfolger nicht, sondern erbittet den Segen Gottes für sie. Sind andere Menschen glücklich, dann freut euch mit ihnen. Sind sie traurig, dann begleitet sie in ihrem Kummer. Lebt in Frieden miteinander. Versucht nicht, euch wichtig zu machen, sondern wendet euch denen zu, die weniger angesehen sind. Und bildet euch nicht ein, alles zu wissen! Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern bemüht euch allen gegenüber um das Gute. Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, soweit es möglich ist! … Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute! –Römer 12,10–21

Diese Worte geben uns eine erstaunlich klare Orientierung dafür, wie wir uns in den schwierigen Herausforderungen unserer Zeit zurechtfinden können – genauso wie damals zu Römerzeiten. Oft klagen wir, dass die Welt in einem schlimmen Zustand ist, und das stimmt auch. Aber sie war es eigentlich schon immer. All diese Bibelverse sprechen mein Herz an, doch besonders der letzte hat es mir angetan: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Die vorangehenden Verse zeigen uns, wie dieses „Gute“ ganz konkret aussieht. Es ist eine Liste von Verhaltensweisen und Einstellungen, die im starken Gegensatz zu dem stehen, was in der Welt üblich ist: sich voller Freude an Gottes Verheißungen festzuhalten, geduldig zu bleiben, wenn es schwer wird, zu beten statt sich von Sorgen beherrschen zu lassen, die Bedürfnisse anderer im Blick zu haben und zu teilen, was man hat, nicht im Zorn zu reagieren, Menschen dort zu begegnen, wo sie auf ihrem Lebensweg stehen, Gerechtigkeit Gott überlassen und sich besonders dafür einsetzen, Vergebung in die Tat umzusetzen.

Wenn mich Mutlosigkeit überkommt oder ich das Gefühl habe, dass all meine Bemühungen vergeblich sind, hilft mir dieser Abschnitt, meinen Blick wieder auf das auszurichten, was wahr ist. Es ist so einfach – und trifft doch jedes Mal mitten ins Herz! Er zeigt mir, wie ich Jesus nachfolgen kann, ganz gleich, welche beunruhigende Schlagzeile mir gerade zu schaffen macht.