Ich habe in letzter Zeit viel über persönliches Wachstum nachgedacht und mir anregende Vorträge über die Bedeutung von geistlichem Wachstum und Charakterentwicklung angehört. Ich bin sehr dankbar für die unerschöpfliche Gnade und Barmherzigkeit des Herrn, da ich oft hinter den Maßstäben zurückbleibe, die uns in der Bibel vorgegeben sind. Als ich über die Bereiche nachdachte, in denen ich mich weiterentwickeln muss, wurde ich an eine meiner schwierigsten Wachstumserfahrungen als Erwachsener erinnert. Es war ungefähr so:
Ich war 35 Jahre alt und hatte mein ganzes Leben lang ehrenamtliche Missionsarbeit geleistet, zuerst mit meinen Eltern und dann mit meiner eigenen Familie. Ich hatte gelernt und mich bemüht, das zu tun, was von mir erwartet wurde, sowohl in meinem Verhalten und meinem Vorbild als auch in meiner Arbeit und meinem Dienst. Jahrelang hatte ich als Beratungslehrer und Jugendleiter mit Teenagern gearbeitet, und viele Leute hatten mir gesagt, wie begabt ich in diesem Bereich sei. Das änderte sich, als meine eigenen Kinder ins Teenageralter kamen.
Zu dieser Zeit zogen einige meiner Kollegen weg, was eine Zeit großer Herausforderungen und Umstellungen für mich war. Ich versuchte, all die Arbeit zu bewältigen, die zuvor von mehreren Personen gemeinsam erledigt worden war. Drei meiner Kinder waren mittlerweile Jugendliche und machten die für dieses Alter typischen Wachstumsschmerzen durch. Ich ertappte mich oft dabei, dass ich mich über sie aufregte. Im Gegensatz zu meinem Image als freundlicher und geduldiger Mensch während meines Dienstes, war ich zu Hause frustriert und gereizt. Nach einem Tag voller Arbeit für die Armen, Besuchen bei Unterstützern unserer Mission und Bibelstudien reagierte ich zu Hause schon bei der kleinsten Kleinigkeit gereizt, nicht nur gegenüber meinen Teenagern, sondern auch gegenüber meinen jüngeren Kindern und meiner Frau.
Eines Tages, als ich mich überfordert fühlte, betete ich und bat Gott, mir zu helfen. Ich spürte, wie Gott zu meinem Herzen über mein Verhalten sprach. Ich schämte mich, weil ich eigentlich ein Diener Christi sein sollte, aber in Wahrheit regelrecht eine Show abzog. Denen gegenüber, denen ich diente, verhielt ich mich auf eine bestimmte Weise, doch zu Hause war ich ganz anders. Ich spürte, wie Gott mich warnte, dass meine Kinder mich als Heuchler ansehen würden, wenn ich so weitermachte und dass es meine größte Verantwortung war, meiner Familie zuerst einmal ein Vorbild für die Liebe Jesu zu sein. Das war eine ziemlich niederschmetternde Erkenntnis für mich.
Ich kann nicht behaupten, dass ich sofort alle notwendigen Veränderungen vornehmen konnte, aber ich habe aufgehört, einen Aspekt meines Lebens als meinen „Job“ und den anderen als mein „Privatleben“ zu betrachten. Ich erkannte, dass ich in meinen Worten und Taten stets Konsequenz zeigen musste. Es kostete mich viel Mühe, Gebete und sich meiner Bewusst zu sein, aber ich begann langsam, kleine Fortschritte zu machen. Es war eine Lektion in Demut für mich, als ich erkannte, wie sehr ich mich ändern musste und wie sehr ich in vielerlei Hinsicht versagt hatte, dabei aber dachte, ganz gut abzuschneiden.
Auch jetzt, 15 Jahre später, kann ich immer noch nicht sagen, dass ich angekommen bin. Meine jüngsten Kinder sind mittlerweile Jugendliche, und ich werde weiterhin auf die Probe gestellt. Aber durch Gottes Gnade bin ich entschlossen, weiter Fortschritte zu machen, und ich bemühe mich, Christus nahe zu bleiben und in Demut zu leben.
