Eine Freundin rief mich überglücklich an. Sie hatte endlich ihre Führerscheinprüfung bestanden. Nach vielen Beinahe‑Erfolgen und strengen Prüfern hatte sie es nun geschafft und ihre Fahrerlaubnis in der Hand. Während der Zeiten, in denen sie mit all dem „Durchgefallen“ zu kämpfen hatte, hatte meine Mutter sie immer wieder ermutigt und gesagt: „Niemand fragt später, wie viele Anläufe du für den Führerschein gebraucht hast, sobald du ihn hast, hast du ihn.“
So hatte ich über Durchhalten und Dranbleiben noch nie nachgedacht. Aber es stimmt. Niemand wird fragen, wie viele Kuchen dir misslungen sind, bevor dir der köstliche gelang, den du ihnen nun servierst. Wenn du den Gipfel des Mount Everest erreichst, dann bist du oben angekommen. Die Fehlschläge unterwegs schmälern den endgültigen Erfolg nicht.
Dieser Gedanke ist sehr tröstlich. Er kam mir wieder in den Sinn, als ich an das Gedicht von E. A. Guest dachte: „Das ist nicht machbar“
Er legte einfach los, mit einem stillen Lächeln auf seinem Gesicht.
Wenn er sich sorgte, ließ er es sich nicht anmerken.
Er begann zu singen, während er sich an die Sache machte,
von der man sagte: nicht machbar, und er tat es.
Zum ersten Mal fiel mir auf, dass dort nicht steht, dass er es sofort tat. Ich hatte mir das Gedicht immer wie eine schnelle Eins‑zwei‑drei‑Geschichte vorgestellt: „Ein Mann sieht einen Berg, alle sagen, nicht macchbar, er packt es an und voilà – der Sieg ist sein!“ So sah das Bild in meinem Kopf immer aus. Jetzt sehe ich es anders. Vielleicht hat dieses „Sich‑an‑die‑Sache‑machen“ Wochen, Monate oder sogar Jahre gedauert. Doch all das spielte für das Endergebnis keine Rolle: Er hat es getan! Das sagt alles.
Manchmal, wenn ich viele Hindernisse und Misserfolge vor mir habe, sehe ich den Sinn nicht mehr darin, es noch einmal zu versuchen. Erfolg und das, was er uns bringen könnte, fühlen sich dann wie eine schöne Fantasie an, die ich besser aufgeben sollten. Jedes Mal, wenn meine Freundin bei der Fahrprüfung wieder mal knapp gescheitert war, dachte sie, dass sich all die Mühe nicht lohne. Und trotzdem versuchte sie es wieder und wieder. Bis sie schließlich ihren Führerschein bekam und wusste: Es hat sich gelohnt!
Wir können scheitern oder uns selbst enttäuschen; andere können uns im Stich lassen oder versuchen, uns aufzuhalten. Aber wir können immer wieder neu anfangen. Wir haben von Gott das Recht bekommen, es weiter zu versuchen. „Der Gottesfürchtige kann siebenmal fallen und wird doch jedes Mal wieder aufstehen“ (Sprüche 24,16). Uns ist das Vorrecht geschenkt zu wählen, und wir können uns immer dafür entscheiden, es noch einmal zu wagen.
Wir haben die Erlaubnis, es zu versuchen.
