Geduld im Alltag zu haben ist schon schwierig genug. Doch Geduld in Zeiten von Krankheit und Schmerzen ist nochmals eine ganz andere Herausforderung.

Die meisten von uns sind nicht gerade dafür geschaffen, sich in Geduld zu üben. Sie scheint eine jener Tugenden zu sein, die uns auf die Probe stellt und uns Gott näherbringt – eine Tugend, die wir fast ununterbrochen in kleinen und großen Dingen praktizieren müssen.

In den letzten fünf Monaten war ich immer wieder im Krankenhaus; wobei mein letzter Aufenthalt sich über zwei Monate hinzog. Diejenigen unter euch, die schon einmal im Krankenhaus waren, wissen, dass ein zweimonatiger Aufenthalt ziemlich anstrengend sein kann: Pflegepersonal, das ständig kommt und geht, um Untersuchungen zu machen, die einen mitten in der Nacht oder um 5:00 Uhr morgens wecken; fades, wenig appetitliches Essen; lange Stunden, die sich endlos hinziehen; Ärzte, die einem nicht genügend Informationen geben; junge Assistenzärzte in Ausbildung, denen man seine Krankengeschichte immer wieder erklären muss; Zimmernachbarn, die nicht immer angenehm sind, und viele weitere unangenehme Situationen.

Es heißt: „Geduld bedeute, dort zu verharren, wo man ist, und auszuharren, wenn man eigentlich am liebsten davonlaufen würde.“ Nun, nach einer so langen Zeit im Krankenhaus war mir tatsächlich danach zumute, davonzulaufen. Doch mir blieb keine andere Wahl, als genau dort zu verharren.

Ich dachte mir: „Entweder lasse ich mich davon herunterziehen, oder ich versuche, aus dieser Zitrone Limonade zu machen.“ Also freundete ich mich mit meinen Zimmernachbarn und dem Pflegepersonal an, sprach über verschiedene Themen, auch über die Bibel, und konnte einige dazu führen, den Herrn anzunehmen. Statt über das Essen zu klagen, nahm ich mir vor, es zu mögen. Ich versuchte, die Übungen der Physiotherapeuten bewusst anzunehmen. Manchmal war ich so sehr darauf fixiert, so schnell wie möglich entlassen zu werden, dass mich Gedanken an die nächsten Tage nervös machten. Doch wie man so schön sagt: „Die Geduld darf nicht einen Zoll kürzer sein als das Leid.“

Es liegt in unserer menschlichen Natur, das Gelobte Land erreichen zu wollen, ohne durch die Wüste zu gehen. Aber Gott weiß, dass wir diese Wüstenzeiten brauchen, um zu lernen, auf ihn zu warten. Und das ist ein Ausdruck von Vertrauen und Glauben. „Vertraue auf den HERRN! Sei mutig und tapfer und hoffe geduldig auf den HERRN!“ (Psalm 27,14).

Unzählige Male hörte ich Gottes leise, sanfte Stimme zu mir sagen: „Hoffe auf mich. Sei geduldig. Ich wirke für dich.“ Doch wie leicht war das zu vergessen und in meine ungeduldige Denkweise zurückzufallen. Auf liebevolle und barmherzige Weise erinnerte der Herr mich immer wieder daran, dass seine Zeit nicht die meine ist.

Hier kommt der Glaube ins Spiel, denn wie Johannes Calvin sagte: „Glauben findet keinen Raum, wenn wir erwarten, dass Gott das sofort erfüllt, was er verspricht.“

Schließlich kam ich zu dem Punkt, an dem mir klar wurde, dass mich meine Nervosität keinen Schritt weiterbringen würde. Ich entschied mich, Gott zu vertrauen und mich nicht länger an meinem Entlassungstermin festzuklammern. Ich erkannte, wie wichtig es ist, nur einen Tag oder sogar nur eine Stunde nach der anderen zu leben und ganz im Hier und Jetzt zu sein.

Mit der Zeit habe ich ein paar Strategien gelernt und angewendet, die auch dir vielleicht helfen können, wenn du einmal in einer ähnlichen Situation bist:

Lies deine Bibel. Besonders die Evangelien, auch die Psalmen sind ermutigend und stärkend. Präge dir ein oder zwei Lieblingsverse ein, vor allem solche, die dich in deiner Leidenszeit oder Bedrängnis aufrichten und inspirieren. Gottes Wort wirkt Wunder, um einen unruhigen Geist zur Ruhe zu bringen.

Erzähle anderen von den Wundern, die Gott in deinem Leben getan hat, oder von dem gesegneten Leben, das du trotz deiner jetzigen Umstände führen durftest. Teile Zeugnisse früherer Wunder oder Momente, in denen Gott ganz klar in deinem Leben gehandelt hat.

Hole das Lesen eines Buches nach, das du schon lange beenden wolltest, für das dir aber bisher die Zeit fehlte.

Spiele mit deinen Besuchern ein Bibelquiz oder andere Spiele. Das lenkt ab und hilft, die quälenden Gedanken an die Zukunft loszulassen.

Soweit es deine Kraft erlaubt, schreibe Nachrichten an Verwandte und Freunde und pflege deine Kontakte. Ein paar Telefonate mit Freunden können viel von deiner inneren Unruhe nehmen.

Such dir einen guten Film, den du auf deinem Handy, Laptop oder dem Fernseher im Krankenzimmer, wenn es einen gibt anschauen kannst.

Was auch immer du tust: Starre nicht einfach an die Decke und lass dich entmutigen. Finde eine sinnvolle Beschäftigung oder ein kleines Hobby, das dein Herz aufhellt.

Am Ende, als ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, noch zwei weitere Wochen auf meine Entlassung warten zu müssen, kam der Arzt und sagte mir, dass ich früher nach Hause könne. Halleluja!

Jemand hat mir einmal gesagt: „Gib nicht zu früh auf. Bestehe den Kurs, indem du nicht davonläufst, bevor in Gottes Schule die Glocke läutet und er im Begriff ist, dich in die nächste Klasse zu versetzen.“

„Glücklich ist, wer die Prüfungen des Glaubens geduldig erträgt. Wenn er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott denen versprochen hat, die ihn lieben.“ (Jakobus 1,12).