„Er ist da. Das Baby ist da!“
Oh, welche Freude wir empfanden! Die Geburt war gut verlaufen, ohne jede Komplikation. Wir waren auf dem Weg nach Hause, bereit, das Leben zu genießen. Ich lächelte meine Frau an, und sie lächelte zurück. Es war, als wäre der Himmel auf die Erde gekommen.
Das war der Tag.
Ich erhielt den Anruf, während ich auf Reisen war. Unser Sohn war jetzt drei Jahre alt, und ich war auf diese Nachricht nicht vorbereitet.
„Du musst sofort nach Hause kommen. Unser Sohn ist krank.“
„Was ist los? Warum soll ich sofort zurück? Gibt es keine Behandlung?“
„Du verstehst nicht.“ Die Stimme meiner Frau klang erschöpft und gebrochen. „Er hat Leukämie.“
Das war die Nacht.
Monate im Krankenhaus folgten. Monate voller Ärzte, Nadeln, Medikamente und Anspannung. Hilfsbereite und weniger hilfsbereite Krankenschwestern. Mahlzeiten im Vorbeigehen. Gebete und Sorgen, Freunde und Freundlichkeit. Und dann sprach der Arzt endlich diese wunderbaren Worte: „Er ist geheilt. Die Leukämie ist verschwunden.“
Ich lächelte meine Frau an, und sie lächelte zurück. Wieder war es, als wäre der Himmel heruntergekommen.
Das war der Tag.
Unser Sohn war sieben, als wir nach Botswana zogen – ein fernes Land voller Chancen für unsere Missionsarbeit. Wie glücklich waren wir, Europa hinter uns zu lassen, die Leukämie hinter uns zu lassen und unserem Sohn einen Neuanfang zu schenken. Es würde wunderbar werden, davon waren wir überzeugt …
Doch warum war er wieder so blass? Warum so müde, so unerträglich müde?
Und dann wussten wir es. Der Arzt bestätigte es. Die Leukämie war zurück.
Das war die Nacht.
Wie sind afrikanische Krankenhäuser? Furchteinflößend. Verwirrend, dunkel, heiß und schmutzig. Kakerlaken? Ja, viele – direkt im Untersuchungsraum. Doch die Hände waren freundlich und warmherzig, und Gott war es auch.
Und nach sechs Monaten lächelte der Arzt, und wir hörten wieder diese wunderbaren Worte: „Er ist geheilt. Die Leukämie ist verschwunden.“
Ich lächelte meine Frau an, und sie lächelte zurück.
Das war der Tag.
Unser Sohn war inzwischen groß geworden. Zehn Jahre alt. Hatte er die Leukämie vergessen? Natürlich nicht – und wir auch nicht. Darum erkannten wir die ersten Anzeichen sofort.
„Nein, Gott … nein! Nicht noch einmal!“ Wie sagt man seinem Kind, dass die Leukämie zum dritten Mal zurück ist?
Wir seufzten, wir beteten, wir weinten. „Gott, wir wollen nicht zweifeln. Du bist liebevoll und gut. Wir vertrauen dir.“ Aber wir lächelten nicht.
Das war die Nacht.
Du kannst es dir sicher denken. Ja, es begann wieder von vorn. Mittlerweile kannten wir die schwierigen Namen der Medikamente auswendig. Wir wussten, wann er sich übergeben würde. Wir hatten gelernt, gegenüber Ärzten streng zu sein, wenn sie sich weigerten, vor dem Betreten des Untersuchungsraums die Hände zu waschen. Die meisten Schwestern liebten wir, ein paar mochten wir nicht. Wir fanden neue Freunde, und wir beteten.
Dann sagte der Arzt, dass nur eine Knochenmarktransplantation ihn diesmal heilen könne. Wo sollte man einen passenden Spender finden? Unmöglich?
Nicht für Gott. Er wusste es. Er zeigte auf unseren jüngsten Sohn. Er war der passende Spender.
Ich lächelte meine Frau an, und sie lächelte zurück.
Das war der Tag.
Und die nächste Nacht?
In diesem Fall kam sie nicht. Die Knochenmarktransplantation war erfolgreich. Wir tanzten vor Freude – nicht nur, weil unser Sohn geheilt war, sondern weil Gott gut ist. Er ist immer gut. Am Tag, aber auch in der Nacht. Vielleicht ganz besonders in der Dunkelheit.
Seitdem haben viele andere Nächte unser Leben umhüllt. Aber sie gingen immer vorbei. Jede Nacht macht irgendwann dem Tag Platz. Manche Nächte fühlen sich länger an als andere, doch das gilt auch für die Tage. Der Rhythmus bleibt bestehen.
Den Tag und die Nacht – Gott hat sie beide geschaffen. Er formte die Welt in sechs Tagen, und dann ruhte er am siebten. (Sieh 1.Mose 1–2,4.)
Doch bald wird dieser Zyklus enden. Bald werden wir bei Ihm ruhen. Bald werden wir bei Ihm im Himmel sein, wenn unser irdischer Körper dem himmlischen weicht. Dann werden unsere Tage und Nächte vorbei sein. Für immer werden wir beim Herrn sein – dort, wo es keinen Schmerz mehr gibt und alle Tränen von unseren Augen abgewischt werden. (Offenbarung 21,4)
Bald, am siebten Tag …
