Mein Vater erzählte mir einmal die Geschichte von einem schachspielenden König. Vielleicht kennst du sie?
Es war einmal ein König, der einen wandernden Weisen zu einer Partie Schach herausforderte. Der König versprach ihm jede Belohnung, die er sich wünschen würde, falls er gewinnen sollte. Der Weise erklärte, er habe nur eine sehr bescheidene Bitte. Da er kaum materielle Bedürfnisse hatte, wünschte er sich lediglich etwas Reis, dessen Menge nach folgendem Prinzip festgelegt werden sollte: ein Reiskorn auf dem ersten Schachbrettfeld, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten, sechzehn auf dem fünften und so weiter, wobei sich die Anzahl der Körner von Feld zu Feld jeweils verdoppelte.
Der König war erfreut über diese scheinbar einfache Bitte, und das Spiel begann. Wie es kam, verlor der König tatsächlich. Um sein Versprechen zu halten, ließ er einen Sack Reis bringen und begann zu rechnen und die Körner abzuzählen. Doch bald stellte er fest, dass die Gesamtmenge an Reis, die er dem Sieger schuldete, größer war als der gesamte Reisvorrat seines ganzen Königreichs.
Von dieser Geschichte gibt es verschiedene Versionen und unterschiedliche Schlussfolgerungen, und sie lehrt uns mehr als nur etwas über exponentielles Wachstum. Was mir dabei besonders in den Sinn kam, ist Folgendes: So wie ein Schachbrett 64 Felder hat, hat ein Jahr 365 Tage. Jeder einzelne trägt die Möglichkeit zu wachsen in sich. Aber, und das ist der schwierige Teil, wir müssen entschlossen, beständig und ausdauernd sein. Ein einziges Reiskorn ist fast nichts. Selbst wenn sich die Menge mit jedem Feld verdoppelt, ergibt das nach 14 Feldern gerade einmal etwa ein Pfund oder ein halbes Kilo. Das wirkt nicht besonders beeindruckend. Wenn wir uns also für etwas entscheiden – sei es eine neue, gute Gewohnheit, das Erlernen einer neuen Fertigkeit oder die Gründung eines eigenen Unternehmens – laufen wir Gefahr, den Mut zu verlieren, falls wir zu früh nach Fortschritten Ausschau halten oder keine unmittelbaren Veränderungen erkennen.
Die Bibel zeigt uns, wie wichtig gute Haushalten ist und dass wir das, was wir empfangen haben, wachsen lassen sollen. In Jesus‘ Gleichnis von den anvertrauten Talenten lesen wir, dass jeder eine bestimmte Anzahl erhält, um sie einzusetzen: „Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eines, jedem nach seinen Fähigkeiten“ (Matthäus 25,15).
Als der Herr zurückkam, belohnte er die beiden Diener, die ihre Talente eingesetzt und vermehrt hatten. Zu ihnen sagte er: „Gut gemacht, mein guter und treuer Diener. Du bist mit diesem kleinen Betrag zuverlässig umgegangen, deshalb will ich dir größere Verantwortung übertragen. Geh ein zu deines Herrn Freude“ (Matthäus 25,23). Derjenige jedoch, der sein Talent in der Erde vergraben und nicht wachsen ließ, wurde als unwürdiger Diener angesehen (Matthäus 25,14–30).
Unterschätzen wir also nicht die zusammenwirkende Kraft scheinbar kleiner Schritte! Lass uns geduldig sein, treue Verwalter dessen, was Gott uns anvertraut hat, und zusehen, wie es wächst.
