Dezember 2020 war mein erstes Weihnachten ohne meinen Mann. Er war fünf Monate zuvor ziemlich schnell verstorben. Er hätte noch viele Projekte verwirklichen wollen. Eines davon wäre sicherlich eine neue Weihnachtsshow gewesen. Das war seine Leidenschaft.

Er bekam oft schon früh im Jahr eine weihnachtliche Inspiration. Dann war er lange damit beschäftigt, das Drehbuch zu schreiben, Kostüme zu nähen, die Requisiten zusammenzubauen, die Hintergrundmusik aufzunehmen und sich um die vielen Details zu kümmern, die eine Show mit sich bringt.

Der November war immer der Übungsmonat, und im Dezember begannen die Aufführungen, bis wir schließlich bis zu 50 Aufführungen in einer Saison machten! Nach diesem Marathon waren wir alle erschöpft, aber sehr glücklich und erfüllt. Wir hatten vielen Kindern, älteren Menschen und Behinderten den Geist der Weihnacht gebracht. Das war immer der beste Teil unseres Weihnachtsfestes.

Weihnachten 2020 war nicht nur das erste Weihnachten ohne meinen Mann und seine Shows, sondern aufgrund der Pandemie auch das erste Weihnachten, an dem wir im Lockdown festsaßen. Im November setzten zwei Kollegen und ich uns zusammen, um über dieses ungewöhnliche, leere Weihnachtsfest zu sprechen.

Was könnten wir tun? Was hätte mein Mann getan? Ganz sicher hätte er irgendetwas getan!

Schließlich erinnerten wir uns daran, dass wir trotz allem noch unsere Telefone und das Internet hatten. Wir konnten den Geist von Weihnachten damit immer noch irgendwie teilen. Schließlich befanden sich unserer Freunde und eigentlich der größte Teil der Welt, in der gleichen Situation!

Also bauten wir unsere Weihnachtsbühne im Wohnzimmer auf und improvisierten eine einfache, rudimentäre Show. Nur ein paar Lieder und unsere herzlichen Weihnachtsgrüße. Wir fühlten uns seltsam, weil wir eine so einfache Show auf die Beine gestellt hatten, aber das war alles, was wir tun konnten. Als wir das Endergebnis auf Video ansahen (in drei Sprachen, wohlgemerkt), war das gar nicht so schlecht!

Wir schickten diese Weihnachtsgrüße in die ganze Welt zu zig von Freunden und Verwandten. Wir schickten es an all die Institutionen, in denen wir jahrelang unsere Shows aufgeführt hatten. So konnten sie wenigstens ein bisschen von uns und vor allem von der Weihnachtsstimmung mitbekommen.  Durch unser kleines Video haben wir viele physische Grenzen überschritten, und die Resonanz war überwältigend.

Am ersten Weihnachtstag luden wir eine alleinerziehende Mutter und ihren Sohn ein, mit uns zu Mittag zu essen. Wir durften nicht mehr als eine bestimmte Anzahl von Personen unter einem Dach haben, wir schätzten deshalb uns fünf am Tisch umso mehr!

Das war wahrlich ein frohes Weihnachten der kleinen Dinge!