In der ganzen Bibel steht der Tau als Zeichen des Segens. In einem rauen, trockenen Klima könnte ohne ihn kein Vegetation bestehen.
Seit Jahrtausenden hat der Mensch Wege gefunden, den Morgentau zu sammeln. In Israel entdeckten Archäologen niedrige, kreisförmige Mäuerchen, die um Pflanzen herum gebaut wurden, um Feuchtigkeit aus der Kondensation aufzufangen. In Ägypten und in der Atacama‑Wüste Südamerikas wurden Steinhaufen so angeordnet, dass das Kondenswasser an den Innenflächen hinabrann und dort gesammelt werden konnte.
Auch heute entwickeln gemeinnützige Organisationen Methoden, um Tau zu gewinnen, in der Hoffnung, kostbares Wasser nutzbar zu machen. In Chungungo in Chile zum Beispiel, wo der jährliche Niederschlag weniger als sechs Zentimeter beträgt, konnte das Dorf mit solchen Methoden in den letzten zehn Jahren jährlich 15.000 Liter Wasser sammeln.
Ein britisches Ingenieurbüro und die Hilfsorganisation WaterAid veranstalteten einen Wettbewerb, um neue Technologien zu finden, die Menschen in wasserarmen Regionen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Gewonnen wurde der Wettbewerb von den israelischen Architekten Cory und Malka, die eine Vorrichtung zur Taunutzung entwarfen. Inspiriert wurden sie von Wassertropfen, die sie in der Wüste in den Netzen von Spinnen gesehen hatten. Ihr Entwurf besteht aus einer umgekehrten Pyramide aus Plattenmaterial, die den Tau sammelt und in eine Filtereinheit leitet.
Auch chinesische Wissenschaftler untersuchen Spinnennetze, um zu verstehen, warum sie Wasser so effektiv sammeln. Sie fanden heraus, dass die Netze ihre Struktur verändern, sobald sie mit Wasser in Kontakt kommen, und dadurch die Tropfen besser weiterleiten.
Wie ein Spinnennetz können auch wir das „Wasser des Lebens“ dorthin leiten, wo es am dringendsten gebraucht wird. Wenn um uns herum alles trocken und öde erscheint, dann ist unsere Zeit zu netzen. Gerade dann wird der Tau am meisten geschätzt. Viele Menschen in unserer Welt dürsten heute, nicht allein nach Wasser, sondern besonders nach Gottes Wort und nach Wahrheit. Wir können Gefäße dieses Wassers sein, um den Durst anderer zu stillen.
So wie der Tau Wasser aus der Luft hervorbringt, können auch wir den Glauben an Gott lebendig werden lassen. Wir sind dazu berufen, die unsichtbaren Dinge von Gottes Liebe durch unser Handeln sichtbar zu machen. Jesus sagte: „An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Johannes 13,35). Lass uns durch diese Liebe bekannt sein, die das Unsichtbare sichtbar macht und das Abstrakte real werden lässt. Lass uns das Wasser des Lebens sein, eine nahe Hilfe in Zeiten der Not für alle, die es am meisten brauchen.
