„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Matthäus 11,28).

Als Workaholic und Perfektionist habe ich immer damit gekämpft, Arbeit und Erholung unter einen Hut zu bringen. Aber ich habe gelernt, dass Selbstfürsorge kein Luxus ist – sie ist eine Notwendigkeit.

Ich muss immer noch lächeln, wenn ich daran zurückdenke, wie ich mich um mein erstes Kind gekümmert habe. Jeden Abend legte ich seine gebügelte Kleidung für den nächsten Tag bereit, polierte seine kleinen Lederschuhe und sorgte dafür, dass sein Spielbereich und das Haus makellos waren. Ich war stolz darauf, ein sauberes, fast „perfektes” Zuhause zu haben und meinen Ältesten so gut wie möglich aussehen zu lassen.

Als Nummer zwei ankam, konnte ich nicht mehr so gut mit allem mithalten, aber sagen wir, die Kleidung wurde jeden zweiten Tag gebügelt und die Schuhe geputzt, nur nicht mehr ganz so oft.

Bei Nummer drei habe ich immer noch versucht, einen gewissen Anschein von Ordnung zu wahren, und die Kinder sahen immer noch ordentlich und sauber aus, aber die Perfektion war dahin. Ich glaube, ich muss dir nicht sagen, was passierte, als Nummer vier, fünf und sechs kamen.

Gerade als ich dachte, ich hätte mit der Elternschaft abgeschlossen, stellte mich das Leben vor eine neue Herausforderung: die Betreuung meines Enkels.

Ich tat mein Bestes, um die Tage der Perfektion wieder aufleben zu lassen und alles in bester Form zu halten. Aber mein Enkel war anstrengender als alle meine Kinder zuvor. Damals wusste ich es noch nicht, aber später erfuhr ich, dass seine Hyperaktivität und sein häufiges Weinen auf Autismus zurückzuführen waren, der ärztlich diagnostiziert wurde, als er drei Jahre alt war.

Es dauerte eine Weile, bis ich die Nachricht von seinen unterschiedlichen Fähigkeiten, oder Unfähigkeiten, wie ich sie gerne nenne, verdaut hatte. Doch als ich mehr über Autismus und die Bedeutung der Frühförderung erfuhr, setzte mein Hang zur Perfektion wieder ein. Ich war fest entschlossen, mein Bestes für ihn zu geben und alle Anweisungen seiner Lehrer und Therapeuten genau zu befolgen.

Außerdem las ich jedes Buch, jeden Blog und jeden Artikel, den ich finden konnte, und versuchte, so gut es ging, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen.

Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich den Anforderungen, die die Betreuung eines autistischen Kindes mit sich bringt, körperlich und seelisch nicht mehr gewachsen war. Ich war an meine Grenzen gestoßen.

Ich hatte das Glück, eine großartige Elternberaterin kennenzulernen, die später eine gute Freundin wurde. Sie hatte selbst eine autistische Tochter und erkannte mein Problem. Ihr Rat an mich? Kurz gesagt: „Sei nicht so streng mit dir!”

Ich wusste, dass sie Recht hatte, aber meine Lebensumstände ließen es kaum zu. Das Geld war knapp, und ich hatte niemanden, der mir half oder mir ab und zu eine Pause gönnte. Trotzdem wusste ich, dass ich es brauchte – jetzt!

Mir wurde klar, dass ich zuerst meine Einstellung ändern musste. Mein Wunsch, alles perfekt zu machen, führte dazu, dass ich mich selbst überforderte, was ich auf Zeit nicht aufrechterhalten konnte. Durch Gebet und persönliches Nachdenken wurde mir klar, dass selbst, wenn ich eine Aktivität auslassen und dafür etwas Entspannteres tun würde, wie mit einer Tasse Tee im Garten zu sitzen und die Füße hochzulegen, während mein Enkel Schmetterlinge jagt und Käfer sammelt, das ihm nicht schaden, sondern uns beiden gut tun würde.

Einer der wichtigsten Punkte, die mir geholfen haben, mein Berufs- und Privatleben besser zu vereinbaren, war zu lernen, um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen, wenn sie mir angeboten wurde. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich andere darum bat, einzuspringen, und lehnte oft Angebote ab, die mir eine Pause gegönnt hätten. Es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass Menschen helfen wollen und dass es unsere Beziehungen stärkt, wenn ich ihnen das erlaube.

Abgesehen davon, dass ich andere nicht belasten wollte, wurde mir auch klar, dass es mit dem Vertrauen in andere zu tun hatte. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich die Dinge am besten kann. Es stimmt, dass andere die Dinge anders handhaben würden als ich, aber weil ich so überfürsorglich war, habe ich mich selbst der dringend benötigten Ruhe beraubt.

Als ich akzeptierte, dass Selbstfürsorge nicht nur „eine nette Sache ist, die man tun kann, wenn es reinpasst”, sondern eine tatsächliche Notwendigkeit, die man einplanen muss, ging es mir sofort so viel besser. Die Herausforderungen waren zwar immer noch da, aber ich konnte sie besser bewältigen und Dinge mehr gelassen hinnehmen.

Durch „Versuch und Irrtum“ habe ich kleine, aber effektive Möglichkeiten entdeckt, mich besser um mich selbst zu kümmern, ohne meine Pflichten zu vernachlässigen. Selbstfürsorge muss nicht zeitaufwändig oder teuer sein. Ein Spaziergang, ein Tagebuch, Zeit zum Lesen, Beten und Meditieren oder ein Kaffee mit einer Freundin verschafften mir kurze Pausen und halfen mir, mich zu revitalisierten.

Für alle, die sich schwer tun und sich überfordert fühlen, gilt: Egal, in welcher Situation du dich befindest, es ist nicht egoistisch, sich um sich selbst zu kümmern – es ist notwendig. Du kannst nicht aus einem leeren Gefäß schöpfen. Wenn du kurzzeitiger Erholung den Vorrang gibst, bist du stärker und glücklicher für diejenigen, die dich brauchen.