Du betrittst das Restaurant und sofort fällt dir ihr warmes Lächeln auf. Ich kenne sie nun schon seit über 20 Jahren, sie sieht aber immer noch genauso aus wie früher. Sie ist klein, eher unscheinbar und ist ständig da, um sich um die unzähligen „Notfälle“ zu kümmern, die in einem so großen Restaurant wie dem ihren jeden Tag auftreten. Sie scheint jeden zu kennen, aber vor allem hat sie immer ein Lächeln und ein aufmunterndes Wort parat. Sie versetzt mich jedes Mal, wenn ich sie besuche, in Ehrfurcht.

Das Leben verlief nicht perfekt für sie. Sie hatte einige familiäre und auch ernste gesundheitliche Probleme. Irgendwann bekam sie so starke Migräneanfälle, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Die Ärzte entdeckten einen großen Tumor in ihrem Gehirn, der operiert werden musste. Es dauerte ein paar Jahre, bis sie sich wieder erholt hatte, aber sie kam immer wieder zur Arbeit und fehlte trotz der Beschwerden und Schmerzen nur wenige Tage.

Ich glaube, viele Leute kommen nur in ihr Restaurant wegen ihres Lächelns und um ein einfaches Wort der Ermutigung zu erhalten! Aber da ist noch so viel mehr im Leben dieser Frau.

Sie gibt oft Essen an Bedürftige, was erfreulicherweise andere lokale Restaurantbesitzer beginnen ließ, dasselbe zu tun. Viele der Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, werden nun an Obdachlose verteilt.

Sie stellt ehemalige Drogenabhängige und Gefängnisinsassen ein. Es erfordert eine große Portion Glauben und Vertrauen, um einigen dieser rauen Charaktere eine Chance zu geben, und vielen verhalf es zu einem Neuanfang, denn es ist ein wertvolles und unbezahlbares Geschenk, wenn einem Vertrauen geschenkt wird.

Außerdem bietet sie alleinstehenden Müttern und ihren Kindern Gastfreundschaft an. Ich nenne das Christentum von seiner besten Seite, wenn man sein Leben öffnet und mit seinen „Nächsten“ in Not teilt. Das kann anstrengend, chaotisch und vielleicht sogar ein bisschen riskant sein. Einige Male war sie maßgeblich daran beteiligt, jemanden vor dem Überdosieren zu bewahren. Ich war schockiert, als ich das hörte, und die erste Frage, die mir in den Sinn kam, war: Würde ich so viel Liebe haben?

Für mich ist sie eine neuzeitliche Heilige.