Vor zwanzig Jahren hatte ich einen Autounfall. Zum Glück war er nicht sehr schlimm, und doch hat er tiefe Spuren in mir hinterlassen. Ich bekam Angst vor dem Autofahren, besonders auf Autobahnen. Allein der Gedanke, in ein Fahrzeug zu steigen, erfüllte mich mit Grauen. Das machte es besonders schwierig, da ich an humanitären Einsätzen beteiligt war, bei denen dringend benötigte Hilfe in Flüchtlingslager nach Kroatien gebracht wurde.

Mein Herz war hin- und hergerissen. Da war die Angst und der starke Wunsch, mich selbst zu schützen. Gleichzeitig spürte ich den tiefen Wunsch, Menschen zu helfen, denen es so viel schlechter ging als mir. Meist siegte Letzteres – aber es fühlte sich jedes Mal wie Folter an, in diesen Kleinbus zu steigen! Ich versuchte, irgendeine Ausrede zu finden, warum jemand anderes an meiner Stelle fahren sollte. Am Ende stieg ich doch ein und litt und zitterte den ganzen Weg bis zum Zielort. Ich bekam kalte Schweißausbrüche. Es war wie eine Panikattacke, die stundenlang anhielt.

Meine Familie und meine Kollegen versuchten, mir zu helfen, für mich zu beten, mich mit allem Möglichen aufzumuntern, mit allem, was sie nur tun konnten. Manchmal versuchten einige meine Angst herunterzuspielen, mit Bemerkungen wie: „Ach komm schon, worüber machst du dir denn Sorgen?“ Ich fühlte mich in meinem Leiden so allein, als könne niemand wirklich verstehen, was ich durchmachte. Dazu kam noch ein Gefühl von Scham.

So ging das mehrere Jahre lang. Irgendwann ließen die Panikattacken nach – sicher dank vieler Gebete und viel Zuspruch.

Ein Wendepunkt, an den ich mich gerne zurückerinnere, war, als es so schlimm wurde, dass ich mich auf den Rücksitz des Kleinbusses setzen musste. Ich konnte nicht einmal mehr auf die Straße vor mir schauen. Doch einmal setzte sich mein 14-jähriger Sohn neben mich und flüsterte: „Halt einfach meine Hand.“ Das war alles. Ich hielt seine Hand für den Rest der Fahrt. Ohne weitere Worte, nur diese einfache Geste.

Ich war zu Tränen gerührt. Ein kleiner Bursche hatte den Schlüssel gefunden, um zu mir durchzudringen, mich zu beruhigen und mir Trost zu spenden. Keine Worte, kein Urteil, nur Mitgefühl und Trost. Das war genau das, was ich brauchte, und es trug zu meiner Heilung bei.

Noch heute fahre ich entlang dieser Autobahn, die mir früher so viel Angst und Schrecken bereitet hat. Und ich erinnere mich daran, dass ich gerade dort erfahren durfte, wie viel Liebe und Trost darin liegen, die Hand eines anderen zu halten. Und es gibt noch eine größere Hilfe, die uns zur Verfügung steht, wenn wir nach der Hand unseres Vaters greifen. „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“ (Jesaja 41,13).