Soweit ich mich zurückerinnern kann, mochte ich bewölkte Tage nicht, besonders nicht im Winter. Sie schienen endlos und ohne Hoffnung zu sein und liesen Körper und Seele frösteln.
Aber sie sind ein Teil des Lebens, also habe ich beschlossen, sie zu mögen – und tue es auch. Mein Geheimnis? Eigentlich habe ich mehrere.
Manchmal nutze ich trübe Tage, um eine süße Leckerei zu backen, die ich mit meinem Kaffee genießen kann. Das Haus duftet nach frisch gebrühtem Kaffee und selbstgemachten Leckereien, und das schafft ein warmes, glückliches Gefühl.
Ich habe festgestellt, dass ich den Tag durch die Kleidung, die ich trage, aufhellen kann, zum Beispiel durch meinen bunten Lieblingspulli oder hübschen Schmuck.
Vor allem aber habe ich gelernt, Gott für diese Tage zu danken. Ich bin immer noch nicht verrückt nach ihnen, aber ich habe ein gemütliches, warmes Haus, Essen auf dem Tisch und jemanden, mit dem ich meine Segnungen genießen kann.
Vor nicht allzu langer Zeit war ich an einem dieser düsteren Tage unterwegs. Obwohl es bewölkt war, rechnete ich nicht mit Regen, nahm deshalb auch keinen Regenschirm mit. Am Vormittag war ich noch weit von zu Hause entfernt, als ich in einen Regenschauer geriet. Als ich nach Hause kam, war ich völlig durchnässt. Nach einer heißen Dusche und dem Mittagessen ging es mir aber schon viel besser.
Während ich irgendwo unterstand, habe ich für all die Menschen gebetet, die Opfer einer Katastrophe geworden sind. Keine Katastrophe wie das Anbrennen des Abendessens – ich meine eine echte Katastrophe wie die Obdachlosigkeit nach einer Naturkatastrophe, ohne heiße Dusche, trockene Kleidung und eine warme Mahlzeit, die alles wieder in Ordnung bringt.
Wenn dich ein negativer Umstand niederdrückt, rückt das Beten für andere, denen es schlechter geht, die Dinge ins rechte Licht und tut der Seele gut, so wie eine heiße Dusche den Körper wärmt, nach einem Regenguss, oder der Duft von selbstgebackenem Kuchen die Trübsal eines dunklen Tages vertreibt. Sich daran zu erinnern, dass wir einen sehr großen Gott haben, der alles sieht und weiß, der uns von Herzen liebt und der uns nie über das hinaus auf die Probe stellen wird, von dem er weiß, dass wir es mit seiner Hilfe bewältigen können (1. Korinther 10,13), hebt den Geist wie der Duft von frisch gebrühtem Kaffee.
Selbst wenn der Himmel bewölkt ist, scheint die Sonne noch. Die Wolken halten uns vielleicht davon ab, sie zu sehen, aber sie ist da, so hell wie immer. Wenn die Dunkelheit uns einhüllt, ist der Sonnenschein der Liebe Gottes immer noch da und wartet nur auf den richtigen Moment, um die Wolken zu durchbrechen und unsere Seelen wieder zu wärmen.
