Die Bibel ist voller Schätze, und die Heilige Schrift lässt sich in gewisser Weise mit einem Juwel vergleichen, das viele Facetten hat. Betrachtet man ein Juwel aus verschiedenen Blickwinkeln, wobei das Licht aus unterschiedlichen Richtungen scheint, entdeckt man neue Schönheit und gewinnt eine neue Perspektive. Ebenso können Bibelverse an Klarheit gewinnen, und wir können ein tieferes Verständnis ihrer Bedeutung erlangen, wenn wir sie auf unser Leben anwenden.

Eine Sache, die ich beim Lesen der Bibel als sehr hilfreich empfunden habe, ist, um Führung und Klarheit zu beten, wie es in Psalm 119,18 heißt: „Öffne mir die Augen, damit ich die herrlichen Wahrheiten in deinem Gesetz erkenne.“ Gottes Geist wird uns beim Lesen seines Wortes leiten und uns helfen, die Wahrheit besser aufzunehmen und zu verstehen (Johannes 16,13).

Ein weiterer Punkt, der hilfreich ist, sei es beim Zitieren einer Schriftstelle während des Gebets oder beim täglichen Verstehen und Anwenden derselben, ist das Lesen der umgebenden Verse. Dies hilft dabei, den Vers im richtigen Zusammenhang zu sehen, und kann dabei helfen, ihn richtig anzuwenden. Paulus wies Timotheus an: „Strebe danach, dich vor Gott als guter Arbeiter zu bewähren, der sich nicht zu schämen braucht und der das Wort der Wahrheit richtig verkündet und lehrt“ (2.Timotheus 2,15).

Hier sind zwei Beispiele für bekannte Bibelverse, die klarer und aussagekräftiger werden, wenn man den umgebenden Text mitliest.

Viele Menschen kennen den Vers aus dem Matthäusevangelium: „Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht“ (Matthäus 6,33). Dies wird zu Recht als Verheißung Gottes angesehen, für uns zu sorgen. Manche Menschen nutzen diesen Vers jedoch, um die Vorstellung zu verbreiten, dass Gott einem Reichtum und alles, was man sich wünscht, verspricht, wenn man ihm folgt oder den Zehnten und Opfergaben gibt. Wenn man jedoch die umgebenden Verse liest, wird die wahre Bedeutung klar.

„Können all eure Sorgen euer Leben auch nur um einen einzigen Augenblick verlängern? Nein. Und warum sorgt ihr euch um eure Kleider? Schaut die Lilien an und wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Trotzdem war selbst König Salomo in seiner ganzen Pracht nicht so herrlich gekleidet wie sie.

Hört auf, euch Sorgen zu machen um euer Essen und Trinken oder um eure Kleidung. Warum wollt ihr leben wie die Menschen, die Gott nicht kennen und diese Dinge so wichtig nehmen? Euer himmlischer Vater kennt eure Bedürfnisse. Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht“ (Matthäus 6,27–29.31–33).

Das zeigt, dass Jesus seinen Jüngern nicht Reichtum oder Wohlstand versprach, sondern ihnen sagte, sie sollten sich keine Sorgen und keinen Kopf darüber machen, dass ihnen das Nötigste wie Nahrung und Kleidung fehlen könnte. Stattdessen sollten sie sich darauf konzentrieren, Gott zu gehorchen und ihm zu dienen, im Vertrauen darauf, dass er für diese Dinge sorgen würde, da er am besten weiß, was gut für sie ist.

Ein weiterer oft zitierter Vers lautet: „Denn alles ist mir möglich durch den, der mich mit Kraft erfüllt“ (Philipper 4,13). Manchmal beanspruchen wir dies für uns, wenn wir vor einer schwierigen Aufgabe stehen, uns überfordert fühlen oder wenn es uns an körperlicher Gesundheit oder Kraft mangelt, was in Ordnung ist. Doch wenn wir die umgebenden Verse lesen, sehen wir, dass Paulus eigentlich über ein ganz anderes Thema sprach.

Er schreibt: „Nicht, dass ich etwas gebraucht hätte! Ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Ob ich nun wenig oder viel habe, ich habe gelernt, mit jeder Situation fertig zu werden: Ich kann einen vollen oder einen leeren Magen haben, Überfluss erleben oder Mangel leiden. Alles vermag ich durch Christus, der mir die Kraft dazu gibt“ (Philipper 4,11–13).

Die Kraft, von der hier die Rede ist, bedeutet also, in allen Lebenslagen zufrieden und dankbar zu sein. Es geht darum, sich von Schwierigkeiten nicht dazu bringen zu lassen, an Gottes Liebe zu zweifeln oder ihn in Frage zu stellen, sondern vielmehr bei Gott Kraft zu suchen, um in jeder Situation, in der wir uns befinden, mit Freude zu leben.

Ich habe auch festgestellt, dass es hilfreich ist, einen Bibelvers oder eine Bibelstelle in verschiedenen Übersetzungen zu lesen. Das gibt mir oft ein umfassenderes Verständnis, und manchmal helfen mir die unterschiedlichen Formulierungen in den verschiedenen Versionen, die Bedeutung tiefer zu erfassen. (Es gibt Websites und Apps, auf denen mehrere Übersetzungen desselben Verses zum Vergleich zur Verfügung stehen.)

Wichtig ist, mit offenem Geist und offenem Herzen an das Lesen und Studieren der Bibel heranzugehen. Wenn ich beispielsweise zu einer bestimmten Situation oder Vorgehensweise eine starke Meinung habe, sollte ich mich beim Studium nicht darauf konzentrieren, lediglich eine Bestätigung meiner Meinung oder meiner Gefühle zu finden, sondern sollte offen dafür sein, meine Gedanken und Gefühle durch Gottes Wort verändern zu lassen. Außerdem ist es wichtig zu erkennen, dass Gottes Wort zwar interessant und informativ ist, aber auch transformativ sein sollte. Mit anderen Worten: Ich sollte den Wunsch haben, dass Gott mich durch sein Wort verändert und verwandelt, damit ich in meinen Gedanken und Handlungen Jesus ähnlicher werde.