Marilyn war eine junge Erwachsene, die vor einer großen Herausforderung stand – dem Erwerb ihres Führerscheins. Seit ihrer Kindheit hatte sie vor Szenarien Angst, wie vor monströsen, laut hupenden Lastwagen, Motorradfahrer, die mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Fahrspuren sich hin und her schlängeln, vor Fußgängern, die kreuz und quer über die Straße laufen und wütende Autofahrer, die sich gegenseitig anschreien. Nicht zu verwundern, dass ihr erster Versuch mit einer peinlichen Niederlage endete.

Als sie eines Morgens allein auf der Beifahrerseite des geparkten Autos saß, ging ihr ihre letzte Fahrprüfung noch einmal durch den Kopf – was sie falsch gemacht hatte und was sie hätte besser machen sollen. Sie schaute auf das Lenkrad und fragte sich, wie sie jemals das Selbstvertrauen zum Fahren aufbringen sollte.

Etwas vor ihr erregte ihre Aufmerksamkeit. Auf dem Bürgersteig kam eine Frau mittleren Alters. Es war schwer, sie nicht zu bemerken. Die Frau war nur etwa 1,40 Meter klein, dazu war eines ihrer Beine deutlich kürzer als das andere. Sie humpelte ungelenk mit Hilfe ihres Stocks den Bürgersteig hinunter.

Marilyn beobachtete diskret, wie die Frau anhielt, sich drehte und dann vorsichtig den Bürgersteig hinunter auf die Straßenebene trat. Sie schaute mehrmals in beide Richtungen, bevor sie auf die andere Seite humpelte.

Mit gemischten Gefühlen von Sorge und Mitleid fragte sich Marilyn, wohin die Frau wohl gehen würde. Auf der anderen Straßenseite gab es eine Reihe von Boutiquen, aber anstatt eine zu betreten, blieb die Frau stehen und begann, in ihrer Handtasche zu kramen.

Dann näherte sie sich einem grauen Auto, öffnete die Tür und kletterte mit einiger Mühe auf den Fahrersitz. Sie legte ihren Stock auf die Beifahrerseite, positionierte ihr längeres Bein, um die Pedale zu erreichen, schloss die Tür und startete das Auto. Von ihrem Fenster aus konnte Marilyn sehen, dass das Kinn der Frau kaum die Oberkante des Lenkrads erreichte.

Marilyn sah bewundernd zu, wie die Frau das Auto sanft aus der Parklücke auf die Straße manövrierte, wo sie das Tempo erhöhte und in aller Ruhe davon fuhr. In diesem Moment fand Marilyn den Mut und nahm sich vor, es noch einmal zu versuchen. Dieses Mal hatte sie Erfolg und erhielt ihren Führerschein.

„Dir geschehe, wie du geglaubt hast ” (Matthäus 8,13).