Vor Kurzem habe ich meinen 70. Geburtstag gefeiert und dachte: „Nun werde ich es ruhiger angehen lassen, mich entspannen, lesen und schreiben, mich um meine Pflanzen kümmern, zu meinem Seniorenkreis gehen, an Gottesdiensten und Treffen in der Gemeinde teilnehmen, meine Schwestern besuchen und die Zeit mit meinen Kindern und Enkelkindern genießen, wenn sie mich besuchen kommen. Von jetzt an wird das Leben ein Klacks sein.“

Eine schöne Illusion! Schon bald wurde meine 80-jährige Schwester krank, und ich konnte nicht anders, als ihr zur Seite zu stehen. Dann kamen noch einige kleinere Notfälle dazu, und ich musste mir eingestehen: „Das Leben ist wunderbar, genau wie eine Achterbahn. Es besteht aus Höhen und Tiefen. Der Herr schenkt uns Zeiten der Ruhe und Erholung, aber wir erleben auch Zeiten voller Herausforderungen, schwieriger Entscheidungen und schmerzlicher Momente. Dann müssen wir uns ganz fest an ihm festhalten, denn er sorgt dafür, dass wir sicher in unserem Sitz bleiben und nicht herausgeschleudert werden.“

Mit zunehmendem Alter lernen wir, dass es immer weise ist, langsam voranzugehen, bis wir sicher sind, dass unser Plan mit Gottes Willen übereinstimmt. Paulus lehrt uns: „Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm“ (Philipper 4,6).

Ich erinnere mich noch daran, wie ich auf der Suche nach einem Mann war, den ich heiraten wollte, und sehr hohe Erwartungen hatte. Nach einiger Zeit legte ich meinen eigenen Willen in die Hände des Herrn und betete: „Jesus, bitte lasse mich einen guten Mann finden, jemanden, der dich genauso liebt wie ich und der dir genauso dienen möchte wie ich.“ Und schon bald darauf lernte ich meinen Mann kennen, und wir führten ein wundervolles gemeinsames Leben. Er war fürsorglich, treu, fröhlich und voller Glauben. Dieses Prinzip, mich Gott anzuvertrauen, habe ich bei vielen anderen Entscheidungen angewendet, sowohl bei großen als auch bei kleinen.

Oft bete ich das Gelassenheitsgebet, das in vielen Therapiegruppen bekannt ist:

„Gott, schenke mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 1

Mit anderen Worten: „Zeige mir, Herr, was ich jetzt tun oder lassen soll. Was ist mein Teil und was soll ich in deine Hände legen? Und was ist der beste Weg, mit dieser Situation umzugehen?“

Nach meinen siebzig Reisen um die Sonne, in dieser Achterbahnfahrt des Menschseins, kann ich mit Gewissheit sagen: Es lohnt sich, auf unserem Weg nach Gottes Willen zu suchen. Gott schenkt das Allerbeste denen, die ihm die Entscheidungen überlassen!


  1. Dieses Gebet wurde ursprünglich Anfang der 1930er-Jahre von dem protestantischen Theologen Reinhold Niebuhr verfasst. ↑