Ich bin schon viel mit dem Zug, dem Bus und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen. Und ich habe es immer genossen, denn es gibt mir Zeit zum Lesen, Nachdenken und Schreiben. Außerdem liebe ich es, die Schönheit von Gottes Schöpfung zu betrachten. Eigentlich muss ich nur darauf achten, an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Die restliche Zeit habe ich Artikel geschrieben, sogar Kapitel meines Buches, recherchiert oder mir bewusst Zeit genommen, für Menschen zu beten oder ihnen eine Nachricht zu schreiben.
In öffentlichen Verkehrsmitteln bekommt man einen kleinen Einblick in das Leben von Schülern und Studenten, Touristen und Menschen. Die Pendler erkennt man sofort. Sie kennen jede Station auswendig, für sie ist nichts mehr neu, und viele holen einfach noch etwas Schlaf nach. Die Touristen haben ihre Kameras griffbereit. Die Studenten, wenn sie nicht gerade dösen, reden gern, oder stecken vertieft im Lernen. Eltern mit Babys oder Kleinkindern sind damit beschäftigt, darauf zu achten, dass ihre Kleinen niemanden stören. Sie sind dankbar, wenn ich helfe, ihre Kinder ein wenig zu beschäftigen. Eines ist ganz sicher: Jesus liebt dieses bunte, vielfältige Bild von Menschen, die gemeinsam durch das Leben unterwegs sind. Und er erinnert mich daran, sie ebenfalls zu lieben.
Ab und zu komme ich mit Mitreisenden ins Gespräch. Manchmal bleibt es bei ein paar freundlichen Worten, manchmal werden es sehr tiefgehende Gespräche. Einmal sprach ich an einer Bushaltestelle mit einem jungen Mann, der ganz offen zugab, mit Süchten zu kämpfen. Für einen Moment fühlte es sich an, als wäre er mein eigener Sohn, der Ermutigung und Freundschaft braucht. Wir tauschten Telefonnummern aus, und nur wenige Minuten, nachdem er gegangen war, rief er mich an und sagte: „Ich wollte nur wissen, ob du wirklich warst oder ob ich mir das alles eingebildet habe. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die sich Zeit nehmen, einem Fremden zuzuhören und ihm Liebe zu zeigen.“
Immer wieder ergeben sich Gelegenheiten, Menschen zu helfen, sei es mit einer Wegbeschreibung, beim Tragen von Gepäck oder einfach mit einem Lächeln. Einmal lieh ich einer Frau mein Handy. Ihr Akku war leer, und sie musste dringend mit ihrer Tochter klären, wie sie abgeholt werden würde. Sie war völlig erschöpft, hatte eine lange Reise hinter sich, und war entsprechend aufgelöst. Als alles geregelt war, gingen wir gemeinsam essen, und es fühlte sich an, als würden wir uns schon seit Jahren kennen.
Ich weiß, dass manche Leute nicht gerne öffentliche Verkehrsmittel benützen, deshalb hoffe ich, dass diese Gedanken euch aufmuntern und inspirieren, für das nächste Mal, wo ihr unterwegs seid!
