In letzter Zeit habe ich viel über den Prozess des Wachsens nachgedacht, und ich möchte einige dieser Gedanken gern mit dir teilen.
Jesus sagte: „Ihr sollt aber vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Matthäus 5,48). Diese Aussage habe ich schon immer als ziemlich verwirrend empfunden. Selbst in meinen besten Momenten konnte ich mich nie auch nur annähernd als vollkommen bezeichnen, und ich kenne auch niemanden, von dem ich das sagen könnte. Das Wort „vollkommen“, das in vielen Bibelübersetzungen verwendet wird, stammt vom griechischen Begriff teleios. Er bedeutet unter anderem: in allem vollständig“, „ausgewogen“ oder „reif“ Was eine andere Art, „vollkommen“ zu definieren wäre.
Es gibt noch einige andere Bibelstellen, in denen Menschen als „vollkommen“ beschrieben werden:
„Wir alle machen viele Fehler, aber wer seine Zunge im Zaum hält, der ist vollkommen und kann sich auch in anderen Bereichen beherrschen“ (Jakobus 3,2). Jakobus erklärt weiter, dass ein reifer Mensch gelernt hat, auf seine Worte zu achten.
„Jesus sagte zu ihm: „Wenn du vollkommen sein willst, dann geh und verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach“ (Matthäus 19,21). Jesus machte hier deutlich, dass der Mann lernen musste, die Nachfolge über seinen irdischen Besitz zu stellen.
Die Bibel vergleicht den Beginn unserer Beziehung zu Gott zwar mit einer geistlichen Neugeburt, einem Wiedergeborenwerden. Doch viele Verse zeigen auch, dass wir nach unserer Hinwendung zu Christus bewusst wachsen sollen, reifen und Jesus immer ähnlicher werden. Paulus schrieb an seinen jungen Schützling Timotheus: „Halte dich fern von allem, was die jugendlichen Leidenschaften weckt. Deine Ziele sollen Gerechtigkeit, Glauben und Liebe sein sowie Friede mit allen, die mit aufrichtigen Herzen den Herrn anrufen“ (2. Timotheus 2,22). An anderer Stelle sagt er: „Brüder, seid im Denken nicht wie Kinder … im Verstehen sollt ihr reif und erwachsen sein“ (1. Korinther 14,20).
Als Jesus davon sprach, vollkommen zu sein, hatte er zuvor darüber geredet, unsere Feinde zu lieben, Menschen nicht nach unseren Vorurteilen zu behandeln, sondern allen mit Güte zu begegnen. Auch das ist ein Zeichen geistlicher Reife.
Zusammengefasst scheint Gottes Vorstellung von Vollkommenheit für uns als seine Kinder zu sein, dass wir lernen, liebevoll, geduldig und verständnisvoll zu leben, reif in unseren Worten und Gedanken zu werden, die Bedürfnisse anderer im Blick zu haben und vor allem so zu leben, dass die Liebe Jesu für andere sichtbar wird.
Ich bete, dass wir alle weiterhin dem Licht Gottes auf unserem Lebensweg folgen, bis zu dem Tag, an dem wir ihm von Angesicht zu Angesicht begegnen werden.
