„Ich hatte diesen Mann schon vorher gesehen, und nun saß er im Schnee außerhalb des Stadions in Madrid. Ich fragte ihn, was er dort mache. Er sagte, er hätte dort fünf Stunden ausgeharrt, in der Hoffnung, das Spiel zu sehen, aber es war ihm das Geld ausgegangen. Da wusste ich, dass ich helfen musste. „So beschrieb José Mourinho, derzeit Trainer der Fußballteams Real Madrid, sein Treffen mit Abel Rodríguez, einem mexikanisch-stämmigen Amerikaner, der in Los Angeles als Gebäudereiniger beschäftigt war.

Rodríguez hatte Mourinho das erste Mal einige Jahre zuvor in den Staaten getroffen, als Real sich auf einem Trainingseinsatz befand und einen Freiwilligen suchte, der das Wasser für die Spieler brachte. Es war kein bezahlter Job, aber Rodríguez war froh, aushelfen zu können, und das war der Moment, in dem er sich entschied, ein richtiges Spiel sehen zu müssen. Er sparte Geld für das Ticket, flog hin, und hoffte auf das Beste. „Hoffen“ war alles was er tun konnte, ohne eine Eintrittskarte für das Spiel oder irgendeinen Ort zum Übernachten zu haben.

Es zahlte sich aus. Nach der Begegnung buchte Mourinho Rodríguez ein Zimmer im selben Hotel mit den Spielern und bezahlte alle Unkosten. Fernerhin verschaffte er ihm eine Arbeit als Zeugwart für das baldige Champions League Spiel gegen Manchester United, was bedeutete, dass Rodríguez zusammen mit der Mannschaft als Mitglied der Belegschaft nach England fliegen durfte.

„Wir müssen einander helfen, unsere Träume ausleben“, sagte Mourinho. 1

Als ich das erste Mal von diesem Vorfall hörte, war ich beeindruckt. Mourinho hat einen Ruf als Mensch mit derbem Charakter. Er scheint nie eine Gelegenheit zu verpassen, seine Gegner lächerlich zu machen und vermittelt einen stolzen und harschen Eindruck. Und doch, angesichts der Träume jenes Mannes war er betroffen. Es zeigt, wie wir tief im Innern ganz anders sein mögen als das Bild, das wir anderen vermitteln.

Auch der große Glaube des Raumpflegers ist beeindruckend. Wie konnte er mit so wenig Geld in der Tasche um die Welt fliegen und erwarten, ein Spiel in einem der größten Stadien der Welt ansehen zu dürfen? Es erscheint ziemlich lächerlich und eher unverantwortlich. Träumer tun verrückte Sachen, die Durchschnittsmenschen nie versuchen würden. Aber weil er seinem Traum folgte, hatte Rodríguez am Ende eine einzigartige und inspirierende Geschichte zu erzählen.

Wenn kleine Leute in ihrem Leben große Träume haben können, die wenig ewigen Wert besitzen, wie viel mehr sollten wir als Gottes Kinder große Träume haben und so viel wie möglich Gutes tun, in einer Welt, die verzweifelt nach Liebe und Anerkennung sucht.


  1. Siehe http://www.si.com/soccer/2013/04/10/real-madrid-fan-jose-mourinho oder http://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Mourinho.