Zwischen den Winden

Vor Kurzem genossen meine Frau und ich einen Spaziergang am Ufer eines großen, schönen Sees – die zerklüfteten Berge, die auf beiden Seiten aufsteigen, der Fluss, der in den See mündet und ihn mit Süßwasser versorgt, die Vögel, die auf den Wellen schaukeln, die sich ständig verändernden Farbtöne des Sees und die Sonne, die von der Oberfläche reflektiert wird und sie in eine Flut aus glitzerndem Gold verwandelt. Das große Gewässer und die umliegenden Berge sorgen für ein einzigartig geschütztes und angenehmes Klima.

Ich habe das Segeln schon immer geliebt und festgestellt, wie die wenigen Segelboote auf dem See dahingleiten oder sich sehr langsam bewegen angesichts eines Phänomens, das dieser geographischen Lage eigen ist. Am Morgen weht meist eine Brise von Norden herab, am Nachmittag dreht sie sich und eine stärkere Brise weht dann von Süden her über den See. Zu diesem Zeitpunkt war es Mittag, „zwischen den Winden“, also lagen die Boote still und warteten darauf, dass der Wind sich drehen würde.

Dann kam mir folgender Gedanke: Im Leben befinden wir uns auch manchmal „zwischen den Winden“.

Ich bin sicher, dass Gott sich darüber freut, wenn wir Ihn fragen, „Was soll ich tun?“, und Ihn bitten, uns Seine Pläne zu zeigen. Ich bin überzeugt, Er schätzt es, wenn wir Seinen Wegen folgen wollen, aber es gibt Zeiten, in denen wir uns wie in diesem Gedicht fühlen, das es so treffend ausdrückt: „Ich wollte dem Meister dienen, aber ach, ich wurde auf Eis gelegt …“1 In solchen Zeiten müssen wir warten, bis der Wind aufkommt und unser kleines Segel aufbläht, um das Boot wieder in Bewegung zu bringen.

Wir können weiterhin hoch hinauswollen, groß träumen und bei all den Aufgaben, die Er uns anvertraut, unser Bestes geben. Aber, wenn wir „zwischen den Winden“ sind, ist es sinnlos, unsere eigenen Segel aufblähen zu wollen. Es ist Gottes Angelegenheit, den Wind auf Seine Weise und zu Seiner Zeit zu senden. Er weiß, was das Beste für uns ist, und darauf können wir vertrauen.

  1. Virginia Brandt Berg (1886-1968). Mehr über ihr Leben und ihren Dienst erfährst du hier.