Eine Frage der Perspektive

Neulich las ich einen Beitrag des Rabbiners Evan Moffic, der für mich sehr einleuchtend war. Hier ist der letzte Absatz:

„Das Leben“, sagte der Philosoph Søren Kierkegaard einmal, „wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden!“ Die Autorität, den zurückliegenden Teil des Lebens zu verstehen, liegt in uns. Wir können nicht ändern, was geschehen ist, aber wir können ändern, was es bedeutet. Was wir uns merken, hilft uns dabei zu entscheiden, wer wir werden wollen. 1

Ein gutes Beispiel für jemanden, der dies tat, war Joseph im Alten Testament. Das sagte er zu seinen Brüdern, die ihm furchtbares Unrecht angetan hatten: „Was mich betrifft, hat Gott alles Böse, das ihr geplant habt, zum Guten gewendet. Auf diese Weise wollte er das Leben vieler Menschen retten.“ 2

Mir ist aufgefallen, dass auch ich, wie Rabbi Moffic, dazu neige, die Geschichte umzuschreiben, und das benutze, was man einen „Bosheitsfilter“ nennen könnte, der einen Großteil des schlechten Zeugs mit Druckluft wegpustet oder, selbst wenn er es drin lässt, es an einen weniger prominenten Ort verbannt, als es damals der Fall war.

Es gibt jedoch einiges, was ich bewusst umstrukturieren muss, indem ich mich selbst anhalte, wenn ich merke, auf die dunkle Seite der Erinnerungsspur zuzusteuern. Ich muss meine Gedanken umlenken, indem ich der Person oder der Situation, die mich stört, absichtlich einen Vertrauensvorschuss gebe, oder indem ich mich selbst darauf hinweise, dass, auch wenn ich im Moment nichts Gutes daran sehe, Gottes Versprechen, alle Dinge zu meinem Wohl als Sein Kind zu wirken, dadurch nicht entkräftet wird. 3

Eine Taktik, die sich für mich als sehr effektiv erwiesen hat, ist es, so etwas zu sagen wie: „So-und-so hat mich wirklich verärgert, aber ich bin sicher, dass ich auch sie verärgert habe, und es war wahrscheinlich genauso schwer für sie, mit mir zu arbeiten, wie es für mich war mit ihr.“

Das Leben zu leben ist eine sehr nuancierte und komplexe Angelegenheit! Ich muss zugeben, mich in vielen meiner Einschätzungen zu vereinfacht ausgedrückt zu haben, und der Realität ins Auge sehen, derzeit nicht ausreichend informiert zu sein, um in vielen Angelegenheiten ein gerechtes Urteil fällen zu können. Ich denke, wenn ich mich nicht mehr so sehr darum bemühe, Menschen und Situationen mit meinen eigenen begrenzten Wahrnehmungsfähigkeiten zu verstehen, sondern mich stattdessen auf das verlasse, was ich von dem weiß, was Gottes Wort über sie zu sagen hat, bin ich tatsächlich in der Lage, viel mehr zu verstehen.

  1. http://michaelhyatt.com/we-are-what-we-remember.html
  2. 1.Mose 50,20
  3. Vgl. Römer 8,28.