Der Regenschirm

In der Luft konnte ich schon den drohenden Regen spüren, als ich zu Fuß durch Chiba, eine Stadt in Japan, ging. Als ich auf die dunkelgrauen Wolken blickte, tadelte ich mich selbst, weil ich keinen Regenschirm mitgebracht hatte. Es schien, dass in ein oder zwei Minuten der Himmel aufbrechen würde, doch zwei Minuten kamen und gingen.

Ich wartete an einem Bahnübergang, als mein Glück zu Ende war. Riesige Tropfen platschten plötzlich vom Himmel, und ich hörte das Geräusch von Regenschirmen, die sich um mich herum öffneten. Die elektronische Anzeige kündigte an, dass die Schranke nach wie vor geschlossen bleiben würde, damit drei Züge durchfahren könnten. Ich würde mindestens fünf Minuten lang im Regen stehen.

Ich beschloss, mich dadurch nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Schließlich war es nicht das erste Mal für mich, unvorbereitet vom Regen überrascht zu werden.

Wie das aller anderen auch, ist mein Leben voller kleiner Gelegenheiten, etwas zu tun, um anderen zu helfen und ihnen einen Hauch von Gottes Liebe zu zeigen, wie diese Frau es an diesem Tag für mich getan hat. Und wann immer ich von dem Gedanken versucht werde, dass es wirklich keinen Sinn macht, Fremden gegenüber Freundlichkeit zu zeigen, finde ich in der Erinnerung an diese freundliche Frau, die ihren Regenschirm mit mir teilte, einen guten Grund.

Vor allem aber wurde mir bewusst, dass jeder extra Schritt, jede freundliche Tat und jedes liebevolle Wort, das ich sage, klein erscheinen mag, aber es kann eine Welt der Freundlichkeit für Menschen öffnen, die mir begegnen. Meinst du nicht auch? Nun, ich bin sicher, diese Frau hat die Freundlichkeit, die sie vor Jahren einem nassen Teenager gezeigt hat, längst vergessen – aber ich habe es nicht!