Der christliche Autor Henry W. Frost, der für die China Inland Mission arbeitete, schrieb ein Buch über Heilung mit dem Titel Miraculous Healing (Wunderheilung), das erstmals 1931 veröffentlicht wurde. Obwohl vor fast einem Jahrhundert geschrieben, gilt das Buch für viele immer noch als zeitlose Quelle zum Thema Wunderheilung. Das Buch enthält nicht nur ausführliche Berichte von Menschen, die Heilung erhielten, sondern auch von anderen, die die gleichen Anstrengungen getroffen hatten und ebenso würdig schienen, aber nicht die körperliche Heilung erhielten, um die sie gebeten hatten.

Ich fand es sehr interessant, wie fast alle, die keine körperliche Heilung erfuhren, berichteten, stattdessen etwas anderes von großem Wert für ihr geistiges Leben erhalten zu haben. Manchmal war es eine besondere Erfahrung mit Gottes Liebe, manchmal ein Durchbruch bei ihrer Suche nach einer engeren Beziehung zu Ihm. Dadurch wird deutlich, wie Gott einer aufrichtigen, suchenden Seele immer auf irgendeine Weise antwortet, gemäß Seinem Wort: „Naht euch zu Gott, so naht Er sich zu euch.“ 1

Viele Jahre lang habe ich Gott immer wieder um etwas gebeten. Mehrmals schüttete ich Ihm mein Herz aus, denn die Frage tauchte immer wieder auf: Warum sollten so viele andere das haben, wonach ich mich sehnte, aber ich nicht? Ich teilte Ihm auch mit, mein Bedürfnis sei meines Erachtens nicht sonderlich egoistisch. Könntest du mir bitte einfach bei dieser einen Sache helfen? versuchte ich, höflich darauf zu bestehen. Doch Seine Antwort war ein anhaltendes Schweigen.

Rückblickend scheint es mir, Er wollte mir viel beibringen und ich hatte viel zu lernen. Gott kennt unsere verborgenen Gedanken und unser tiefstes Inneres. Seine Sorge um uns ist ein Grund dafür, dass Er bestimmte Antworten auf unsere Gebete nicht gewährt. Ich musste lernen, Ihm mehr zu vertrauen, dankbarer für alles zu sein, was ich besaß, und geduldiger zu sein. Wie es in Psalm 131 heißt, musste ich lernen, mich zu beruhigen und zur Ruhe zu kommen, wie ein vom Stillen entwöhntes Kind bei seiner Mutter, welches sich trotz der fehlenden Gaben über die Nähe freut.

Es gab und gibt viele rechtschaffene und fromme Invaliden, Gelähmte, Behinderte und Menschen, die nie auf ein Missionsfeld gehen, aber deren Missionsfeld das Gebet ist. Gerade diese unscheinbaren Menschen können die Gnade Gottes in einer außergewöhnlichen Weise erfahren, die ihre Behinderung überwindet, selbst angesichts eines Zustands, der vielen als unerträglich erscheint. Trotz ihrer Umstände kann Gottes Liebe ihnen eine innere Schönheit verleihen, die selbst aus der Asche entgleister Hoffnungen und Bestrebungen hell erstrahlt. 2

Wie typisch für Gott, mitten unter uns auf eine Weise zu handeln und zu wirken, die wir nicht ergründen können. 3 Wenn wir wüssten, warum Er manche heilt und andere nicht, dann könnten wir einfach dieser Reihe von Vorschriften folgen und sicher sein, das Gewünschte zu erhalten. So hätten wir Gott erfolgreich in eine Schublade gesteckt. Doch das wird nie geschehen!


  1. Jakobus 4,8 NL.
  2. Vgl. Jesaja 61,3.
  3. Vgl. Römer 11,33.