Nonon konnte die Tränen nicht zurückhalten, als sie mir vom Tod ihrer Schwester erzählte. Ihr Fahrrad war in ein Schlagloch geraten, und Rani war gestürzt und auf ihrem Kopf gelandet. Sie hatte an diesem Tag keinen Helm getragen. Obwohl sie sportlich und in guter Form war, genügte ein einziger unachtsamer Moment.

Von den beiden Schwestern war Rani die Fröhliche, diejenige mit dem fürsorglichen Herzen. Nonon war eher introvertiert und zurückgezogen und betrachtete sich als „die Dunkle“. Das alles änderte sich in einer Sekunde. Jetzt lag Rani komatös in einem Bett auf der Intensivstation und Nonon war Tag und Nacht an ihrer Seite, um sie zu ermutigen und ihre Hand zu halten. Doch Rani erlangte nie wieder das Bewusstsein. Schließlich sah die Familie ein, dass sie sie gehen lassen musste …

Als sie mir von dem Unfall und der Intensivstation erzählte, konnte ich sehen, wie Nonon den Kummer und den Herzschmerz noch einmal durchlebte. Die Frage „Warum?“ beschäftigte ihr Herz und ihren Verstand, aber sie konnte sich nirgendwo hinwenden, um eine Antwort zu finden. Als Katholikin aufgewachsen, war Nonon zum Buddhismus konvertiert, um ihren Mann zu heiraten. Jetzt war sie sich nicht sicher, was die Wahrheit war.

Doch nun brachten Kummer und Trauer sie dazu, ihre Hand auszustrecken …

Ich konnte es spüren, zögerte aber. Ich hatte noch nie ein tiefes Gespräch mit ihr geführt. Sie wusste, dass ich an Jesus glaube, aber sie machte sich immer sarkastisch über alles lustig, was ich über Religion oder Glauben sagte.

Ich atmete tief ein. „Nonon“, sagte ich, „Es gibt einen Vers in der Bibel, der besagt: ‚Der Gerechte dagegen kommt um, ohne dass sich jemand darüber Gedanken macht. Die, die Gott treu sind, werden abberufen, aber niemandem fällt auf, dass sie dadurch dem Bösen entkommen sollen. Sie treten in den Frieden Gottes ein und ruhen auf ihren Lagern, weil sie ihren Weg geradeaus gingen.‘“ 1

Als ich Nonon diese Worte mitteilte, war es, als würde in ihrer Seele ein Licht aufgehen. „Wo finde ich das?“, fragte sie.

Ich öffnete die Bibel-App auf meinem Handy und zeigte es ihr. Sie winkte sofort ihre Mutter herbei: „Mama, schau dir das an!“

Bald versammelte sich eine kleine Gruppe von Verwandten um mich, als ich den Text laut vorlas und erklärte, was er bedeutete. Alle hatten Rani geliebt. Sie war fröhlich, aufgeweckt und hatte immer etwas Nettes oder Liebevolles zu sagen. Nonon hatte zu ihr aufgeschaut wie zu einer perfekten Schwester. In diesem Vers wird erklärt, wie Gott manchmal Menschen aus Mitleid zu sich ruft, um sie zu beschützen und sie vor Unheil oder Unglück zu bewahren. Es war, als ob sich Frieden und Ruhe über alle im Raum gelegt hätten. Endlich hatten sie verstanden, warum Rani gestorben war, und konnten in einem Vers aus Gottes Wort Frieden und Trost finden.

Seitdem hat Nonon den Kontakt zu mir aufrechterhalten. Jeden Tag schicke ich ihr Zitate und Auszüge aus dem Wort Gottes, und sie antwortet immer mit Dankbarkeit.


  1. Jesaja 57,1-2 NL.