Sei ein fröhlicher Geber

Während eines Fluges vor ein paar Monaten saß ein kleines Mädchen auf dem Platz schräg vor mir. Die Kleine hatte ein hübsches neues Malbuch, das ihre Mutter offensichtlich extra für den Flug besorgt hatte. In derselben Reihe saß noch ein kleines Mädchen, etwa im gleichen Alter, dessen Vater hinter ihm saß. Dieses Mädchen hatte kein Malbuch, es hatte eigentlich gar nichts, womit es sich beschäftigen konnte.

Das Mädchen mit dem Malbuch malte schon bald mit seinen auf dem Klapptisch ausgebreiteten Stiften drauf los, und das andere Mädchen schaute sehnsüchtig zu ihm hinüber. Mir tat das andere Mädchen leid, das nichts zu tun hatte. Und so betete ich, dass das erste Kind auf die Idee käme, eine Seite aus dem schönen Malbuch herauszureißen und sie ihm zu geben. Und tatsächlich, nach einer Weile sah ich, dass die Kleine ein Blatt herausgerissen und es ihrer Nachbarin überreicht hatte und mit ihr die Stifte teilte.

Ich lehnte mich über den Gang und sagte zu ihr, dass es sehr nett von ihr gewesen sei, ihr Malbuch zu teilen. Sie strahlte und war sichtlich erfreut, dass es jemand bemerkt hatte. Ich weiß nicht, welche Auswirkungen meine kleine Bemerkung noch haben wird. Aber ich würde mir gerne vorstellen, dass die Kleine beim nächsten Mal, wenn sie vor der Entscheidung steht, zu teilen oder nicht, sich an die Frau im Flugzeug erinnert, die so stolz auf sie war, weil sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Jeder sehnt sich nach Ermutigung. Ich glaube fest daran, dass Gott Menschen ermutigen möchte. Aber oft benötigt Er uns dazu, das zu tun. Wenn du das Gefühl hast, du hättest keine Zeit, keine Energie, kein Geschick, kein Geld, oder zu wenig, um zu geben, dann mach dir nichts daraus; das geht vielen Menschen so. Aber wir können alle etwas geben mit unseren Worten der Ermutigung, und wir können Gottes Liebe verbreiten, wo immer wir auch sind. In nur wenigen Augenblicken können wir etwas verändern, an einer Bushaltestelle, in der U-Bahn, beim Überqueren der Straße, im Geschäft, bei der Arbeit, in der Schule, online, bei einem Spaziergang und so weiter. Unsere Worte müssen nicht tiefsinnig oder wortgewandt sein – es reichen schlichte Worte, die das Bedürfnis der Menschen nach Liebe, Hoffnung, Bedeutung oder Wohlergehen erfüllen.

Wir sollten uns fragen: Was kann ich dieser Person sagen, das ihr irgendwie helfen könnte? – Etwas das sie aufmuntert, ihren Tag erhellt und schafft, dass sie sich gut, anerkannt, geschätzt und wertvoll fühlt. Etwas, das ihr vermittelt, dass das, was sie tut, auch wirklich zählt.

Wir alle schätzen es, zu wissen, dass wir zählen und wichtig sind, und dass wir etwas Wertvolles tun. Vielleicht sind unsere ermutigenden Worte nur ein Schritt auf jemandes Lebensreise. Manchmal sehen wir die Resultate unseres Zuspruches, zu anderen Zeiten werden wir die Ergebnisse nie in Erfahrung bringen. Das Wichtigste ist, dass wir fröhliche Geber sind. Liebe versagt nie. Auch wenn unsere Worte nicht dazu führen, dass andere gleich mitbekommen, um was es sich dreht, spielt das nicht wirklich eine Rolle. Wirklich wichtig ist, dass Menschen sich geliebt fühlen, geschätzt und anerkannt. Es ist ein Vorrecht, Freundlichkeit zu verbreiten.

Auch bei kurzen Begegnungen kann man „ein gutes Wort zur rechten Zeit” 1 einlegen, etwas, das den Menschen Vertrauen in sich selbst und den Glauben gibt, dass auf der Welt immer noch Menschen existieren, die gut, nett und interessiert sind. Dies wiederum mag bewirken, dass sie über Jesus nachdenken – dem Mann der Liebe – der diese Eigenschaften weckt. Auch wenn das nicht der Fall ist, kann der Zuspruch wie ein Samenkorn sein, der, gedüngt und bewässert, irgendwann in der Zukunft geerntet wird.

  1. Sprüche 25:11