Ein Kirchenlied im Fitnessstudio

Heute morgen fiel es mir schwer, aufzustehen. Die Sonne steht noch nicht oben, warum also ich?

In Gedanken an diese plakative Logik zog ich mich an, griff meine Tasche und trottete aus dem Haus.

Jetzt hoffe ich aber, jemand unter euch wird meine Gefühle verstehen, wenn ihr den Grund dafür hört! Ich war auf dem Weg ins Fitnessstudio.

Jetzt mach mal halb lang denkst du vielleicht. Im Fitnessstudio verbringt man doch eine wunderbare, erfrischende, aufregende und spannende Zeit! Nun, an dem Morgen entsprach das aber nicht meinen Gefühlen und so früh aufzustehen fraß an meiner „Glücksration“ für den Tag.

Ich brachte mein Training hinter mich und erreichte noch rechtzeitig die Duschen, bevor ich nach Hause musste. In Gedanken versunken, bei dem was ich noch vorhatte, hörte ich jemanden singen.

Wie es in anderen Fitnessstudios zugeht, weiß ich nicht, aber normalerweise singt man hier nicht. Es reicht höchsten zu einem Brummen oder atemlosen Gekrächze. Hier erklang aber richtiger Gesang, sicher und mit klarer Stimme. Jemand sang ein mir unbekanntes Lied. Ich vernahm das Wort „Jesus“. Dann folgte eine Version von „Dein Wort ist meiner Füße Licht.“

Ich war, ehrlich gesagt, zu tiefst betroffen. Dieser Typ versetzte mich in Hochstimmung und beschämte mich zugleich. Er verkündete seinen Glauben unbedarft und eindringlich. Wie Dwight L. Moody es ausdrückte, „predigte er aus seiner in Schuhleder gebundenen Bibel.“

Fertig mit Singen lächelte er mich an und wünschte mir einen prächtigen Tag, schnappte seine Tasche und zog ab. Ihr könnt es mir ruhig glauben, mein Tag war wie umgekrempelt. Zuhause erzählte ich meiner Verlobten davon; meinen Freunden, meiner Familie und jedem, dem ich begegnete und jetzt euch.

Folgendes lernte ich von diesem Erlebnis:

1) Es gibt immer jemanden in deiner Nähe, den du positiv beeinflussen kannst. Dort im Studio veränderte dieser Typ meine Einstellung und segnete mich mit seiner Bereitschaft, Gott zu verherrlichen. Er hatte keine Ahnung, in welcher Verfassung ich mich befand und das war auch nicht notwendig. Denn wir treffen unentwegt viele andere Leute, beschäftigen uns mit ihnen und beeinflussen sie. Wenn wir in einer verdrossenen Welt Freude ausstrahlen und Liebenswürdigkeit in einer geselligen – doch eigentlich ungeselligen – Gesellschaft, können wir ebenfalls Leben verändern.

2) Gott weiß uns Mut zu machen, wenn er uns am meisten fehlt. Er richtete es für mich ganz genau ein, das Singen im richtigen Moment zu hören. Der richtige Zeitpunkt macht es, und Gott ist jedes Mal pünktlich.

3) Lass dich nicht von Äußerlichkeiten täuschen. Soweit ich weiß, verpasste ich wahrscheinlich schon öfters in meinem Leben einmalige Chancen, weil ich voreingenommen war.

Ich habe gelesen, wir bewerten und beurteilen in Gedanken einen Fremden in weniger als 30 Sekunden. Daraus schloss ich, immer ein gutes Beispiel zu sein, weil andere uns wahrscheinlich keine zweite Gelegenheit geben werden, sie von der Echtheit unseres Glaubens zu überzeugen

4) Betrachte es im Ganzen. Ein Lied, ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine gute Tat, eine Notiz, eine E-Mail, ein Tipp, ein Schulterklopfen, eine Umarmung, ein [bitte ausfüllen] können eine weitaus positivere Wirkung nach sich ziehen, als die Mühe, die sie kosten, sie in Tat umzusetzen. Diese ewigen Dividenden lassen sich nicht mit irdischen Maßstäben messen. Besser also, mehr in langfristige Ergebnisse zu investieren, gerade und besonders dann, wenn wir sie momentan noch nicht sehen können. 1

Lasst uns Beispiele Jesu sein und lasst uns unser Möglichstes tun, Ihn bei jeder Gelegenheit zu zeigen …  selbst am frühen Morgen.

  1. Matthäus 6:19-20