In meiner Kindheit war Geld immer knapp. Mir hatte nie irgendetwas an Lebensnotwendigem gefehlt, aber ich besaß nie so viel Geld, um etwas davon weggeben zu können, ohne die Knappheit zu spüren.

Einmal, als ich 17 war, bat mich ein Obdachloser um etwas Geld. Ich hatte gelernt, dass beim Geben Gutes wieder zu mir zurückkommt, und so überlegte ich, wie viel Geld ich für meine Rückfahrkarte nach Hause brauchte, und gab ihm dann den Rest – ungefähr 500 Yen, das waren etwa 5 €. Es war nicht einfach, mein letztes Bisschen an Taschengeld wegzugeben. Auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich X Euro zurückbekam, nur weil ich 5 € weggab, so weiß ich doch: Über die Jahre hinweg bekam ich immer genügend zurück, um an das „Gesetz der Rückvergütung“ zu glauben.

Jesus drückte das Rückvergütungsgesetz so aus: „Wenn ihr gebt, werdet ihr erhalten. Was ihr verschenkt, wird zusammengepresst und gerüttelt, in einem vollen, ja überreichlichen Maß zu euch zurückfließen. Nach dem Maß, mit dem ihr gebt, werdet ihr zurückbekommen.“ 1

Wohl gemerkt, es heißt nicht: „Genau den Betrag, den ihr gegeben habt, werdet ihr zurückbekommen.“ Es heißt, „nach dem Maß“ wird sich dieser Betrag richten. In Wirklichkeit ist es oft so, dass du mehr zurückbekommst, als du gegeben hast. Wie zum Beispiel in der Geschichte über den Jungen, der Jesus seinen Proviant gab. 2 Auf der einen Seite waren 5.000 hungrige Menschen und auf der anderen Seite die Gabe des Jungen – 5 Brote und 2 Fische. Auf den ersten Blick war es eigentlich nichts Außergewöhnliches. Doch schau dir an, was Jesus aus der kleinen Gabe machte!

Mein zweijähriger Neffe liebt es, sein Essen mit anderen zu teilen. Es spielt keine Rolle, was er isst, oder ob er es mag oder nicht. Er möchte nur, dass ich es auch probieren soll – selbst wenn es seine Lieblings-Kartoffelchips oder Eiskrem ist. Sein offensichtliches Vertrauen, es gäbe mehr davon, wo es her kommt, macht ihm das Geben leicht. Aber als Erwachsene ist uns bewusst, dass etwas auch ausgehen kann, und das macht das Geben schwerer.

Doch gerade dann, wenn wir meinen, wir seien bei unserem letzten Bisschen an Freundlichkeit, Mitgefühl, Zeit oder was auch immer angekommen – sollten wir uns daran erinnern, dass Gott dort, wo es her kommt, mehr davon hat, und Er verschwendet keinen einzigen Gedanken mit der Frage, ob es ausgehen könnte oder nicht.


  1. Lukas 6: 38
  2. Siehe Johannes 6:5-15.