Seit Jahrhunderten hören wir Dutzende unterschiedliche Geschichten und Interpretationen über eine der wichtigsten Frauenfiguren im Neuen Testament, Maria Magdalena (auch Maria von Magdala genannt). Unter den Frauen, die in der Bibel erwähnt werden, war sie eine der umstrittensten.

Seit meinen frühesten Erinnerungen wurde Maria Magdalena unauslöschlich als die berüchtigte Prostituierte abgestempelt, die von sieben Teufeln befreit wurde. Als ich jedoch begann, die Evangelien zu studieren, stellte ich fest, dass weder Matthäus noch Johannes erwähnen, dass sie Dämonen hatte oder demoralisiert und befleckt war. Sie konzentrieren sich stattdessen auf ihre unerschütterliche Treue zum Erlöser.

Maria Magdalena war diejenige, die unter seinem Kreuz stand, als Jesus gekreuzigt wurde. Sie saß auch bei der Beerdigung Jesu gegenüber dem Grab und war die erste, die ihn nach seiner Auferstehung sah. Maria Magdalena wurde von Jesus beauftragt, den anderen Jüngern von seiner Auferstehung zu erzählen.

Das Leben dieser galiläischen Frau aus Magdala ist zweifelsohne geheimnisumwittert. Nur wenig wird über sie geschrieben. In allen vier Evangelien wird Maria Magdalena zusammen mit mehreren Frauen erwähnt, die Jesus folgten und ihm dienten, als er in Galiläa war, und die mit ihm nach Jerusalem kamen.

Als Maria Jesus zum ersten Mal sprechen hörte, war sie so tief bewegt, dass sie mehr von seinen lebensspendenden Worten der Wahrheit hören wollte, die anders waren als alles, was sie je zuvor gehört hatte.

Nach Marias Bekehrung war ihre Hingabe an Jesus so groß, dass sie ihr ganzes Leben in seinen Dienst stellte. Sie gehörte zu jenen, die Jesus folgten, als er sein Kreuz nach Golgatha hinauf trug. Dort gab es nur wenige, die nahe am Fuß des Kreuzes standen. Dazu gehörten Maria, die Mutter des Herrn, Johannes, der Vielgeliebte, Maria, die Frau des Kleopas, und Maria Magdalena. Mit gebrochenem Herzen und am Boden zerstört, blieb sie bis zu dem Moment, als Christus seinen letzten Atemzug mit den Worten aushauchte: „Es ist vollbracht!” (Johannes 19,25-30).

Sie sah alles, wunderte sich und weinte im Stillen. Ihre tiefe Trauer war unbeschreiblich. Maria hatte die Brutalität des Kreuzes und die Schrecken des Leidens Christi miterlebt, während die meisten Jünger geflohen waren und sich versteckt hatten. Sie konnte nicht weggehen. Ihr Herr und Erlöser zwang sie zu bleiben! Die Hingabe ihres Herzens konnte nicht durch Gefahr oder gar den drohenden Tod ausgelöscht werden.

Sehr früh am ersten Tag der Woche, als es noch dunkel war, kam Maria Magdalena zum Grab Jesu und sah, dass der Stein vom Eingang weggewälzt worden war. Atemlos lief sie sofort zu Simon Petrus und Johannes, um ihnen zu sagen, dass sie den Meister aus dem Grab geholt hatten und sie nicht wusste, wohin sie ihn gebracht hatten.

Die Jünger liefen zum Grab und sahen, dass es leer war, dann gingen sie wieder zurück. Maria aber stand weinend vor dem Grab. Während sie weinte, kniete sie nieder, um in das Grab zu schauen und sah zwei Engel dort sitzen. Sie waren weiß gekleidet, der eine am Kopf-, der andere am Fußende, wo der Leichnam Jesu hingelegt worden war. Sie sagten zu ihr: „Frau, warum weinst du?”

Sie antwortete: „Sie haben meinen Meister mitgenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben.” Nachdem sie das gesagt hatte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Aber sie erkannte ihn nicht.

Jesus sprach zu ihr: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du denn?” Sie hielt ihn für den Gärtner und sagte: „Herr, wenn du ihn genommen hast, dann sag mir, wo du ihn hingelegt hast, damit ich mich um ihn kümmern kann.” Jesus musste nur sagen: „Maria.” Sie drehte sich ganz zu ihm um und sagte auf Aramäisch: „Rabboni”, was Lehrer oder Meister bedeutet.

Er befahl ihr: „Rühr mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.” (Sieh Johannes 20,1-17.)

In einer Zeit, in der Frauen im Allgemeinen nicht viel Wertschätzung geschenkt wurde, wandte sich Jesus zuerst an Maria und sandte sie aus, um den Jüngern die glorreiche Nachricht von seiner Auferstehung mitzuteilen.