Das Leben ist ein stetiger Strom an Widersprüchen – Dinge, an denen man festhalten, die man loslassen, für die man kämpfen und die man aufgeben muss. Uns wird gesagt, wir sollen uns mehr anstrengen, uns eine Pause gönnen, lockerer werden, bessere Entscheidungen treffen, einfach ja sagen, einfach nein sagen, uns niederlassen, uns nicht niederlassen. Und zu allem Überfluss gibt es immer wieder jemanden, der etwas sagt wie „Hör einfach auf dein Herz!“ Genau!

Manchmal nehme ich diese verwirrten, überkomplizierten Gefühle und übertrage sie auf meine Beziehung zu Gott. Bin ich ernst genug mit Gott? Beschäftige ich mich genug mit der Bibel? Bete ich Ihn sowohl mit Spontaneität als auch mit Ehrfurcht an? Bete ich im Glauben? Woher weiß ich überhaupt, dass ich gläubig bin? Warum höre ich Gottes Stimme nicht klarer? Wenn ich mehr Glauben oder Liebe hätte, würde ich Ihn dann zu meinem Herzen sprechen hören? Ganz ehrlich, wenn sich eine Beziehung so kompliziert anfühlt, gebe ich sie meistens auf.

Ich bin sicher, dass Gott meinen Zustand mit etwas Humor und wahrscheinlich auch mit viel Zärtlichkeit betrachtet. Ich kann mir vorstellen, wie Er sagt: Denk daran, dass ich gesagt habe, [du] würdest mich finden, wenn [du] nach mir suchst 1 und dass ich [dir] nahe sein werde, wenn [du] zu mir kommst. 2

In letzter Zeit stehe ich vor einigen großen Entscheidungen, die meine Arbeit, mein Familienleben und meine Kinder betreffen. Ich bin fast jeden Tag in einen Konflikt darüber geraten, was die richtigen Entscheidungen sind, und werde fast täglich von Emotionen und Meinungen beeinflusst. Ich betete und fragte Gott sehr aufrichtig nach Seiner Meinung. Dennoch kann ich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels nicht behaupten, überzeugt davon zu sein, die beste und von Gott befürwortete Entscheidung getroffen zu haben.

Stattdessen kann ich berichten, dass ich dazulerne. Ich sehe meine Schwächen und Wachstumschancen. Ich sehe Gottes Gnade, die meine Schwächen ausgleicht. Es erstaunt mich immer wieder, wie ruhig, unangestrengt und unbekümmert Gott ist.

Auf meiner Suche nach Bibelstellen, die mir Rat geben können, bin ich wieder einmal bei den Psalmen hängen geblieben. In fast jedem Psalm zeigt David Gott sein unverfälschtes Herz. In welchem Zustand er sich auch befindet, er spricht zu Gott. Und dort in seiner Schwachheit vertraut er Gott, wie dieser Vers vermittelt: „Ich vertraue auf deine Gnade. Ich freue mich, dass du mich retten wirst. Ich will dem Herrn ein Loblied singen, weil er so gut zu mir war.“ 3 Und das ist genug.


  1. Vgl. Jeremia 29,13
  2. Vgl. Jakobus 4,8.
  3. Psalm 13,5-6