Ich erinnere mich, dass ich als Kind Hebräer 11 auswendig gelernt habe, wo einige grausame Arten zu sterben beschrieben werden: „Manche starben durch Steinigung, andere wurden zersägt, wieder andere mit dem Schwert getötet. Einige gingen in Schaf- oder Ziegenfellen umher, litten Hunger und wurden unterdrückt oder misshandelt. Sie, die zu gut für diese Welt waren, zogen durch Wüsten und über Gebirge und suchten Zuflucht in Höhlen und Erdlöchern.“ 1

Es ließ mich fragen, wie weh es tut zu sterben. Ich wusste, was für ein Weichei ich war, wenn es um Schmerzen ging und versuchte deshalb herauszufinden, was, wenn man sterben würde, wohl der am wenigsten schmerzhafteste Weg wäre, zu gehen – da ich mich dafür entscheiden würde. Versteh mich richtig, ich wollte Gott wirklich nicht damit entehren, ein totaler Schwächling zu sein.

Heute kann ich mit einem Schmunzeln auf meine Kindheitssorgen zurückblicken. Mir ist jetzt bewusst, dass das eigentliche Problem für mich darin bestand, immer das Gefühl zu haben, mutlos zu sein. Neulich jedoch habe ich beim Schreiben eines Artikels zufällig die Definition von Mut nachgeschlagen. „Mut“ – das im Englischen courage bedeutet – entstand aus dem französischen Wort cœur für Herz. Eine etymologische Webseite erklärt, dieses ursprünglich französische Wort „Herz, bedeutet innerste Gefühle, Temperament“. Im Mittelenglischen wurde es allgemein für das verwendet, was im Kopf oder in den Gedanken vor sich geht, also Tapferkeit, aber auch Zorn, Stolz, Selbstvertrauen, Lust oder sonstig geartete Neigung. Heute wird Mut definiert als „mentale oder moralische Stärke, sich zu wagen, auszuhalten und sich Gefahren, Ängsten oder Schwierigkeiten zu widersetzen“ – was Wikipedia auch so in etwa über das deutsche Wort Mut sagt.

In der Bibel gibt es unzählige Geschichten von Männern und Frauen, die Mutiges wagten. Hebräer 11 listet viele dieser mutigen Menschen auf. „Wie viel soll ich noch aufzählen? Es würde zu lange dauern, all die Geschichten über den Glauben von Gideon, Barak, Simson, Jeftah, David, Samuel und allen Propheten zu erzählen. Durch den Glauben haben sie Königreiche bezwungen, mit Gerechtigkeit regiert, Verheißungen erlangt, verschlossen Löwen das Maul, löschten Feuerflammen und entkamen der tödlichen Klinge des Schwertes. Ihre Schwäche wurde in Stärke verwandelt. Sie wurden stark im Kampf und schlugen ganze Armeen in die Flucht.“ 2

Wenn man sich die in diesem Kapitel aufgeführten mutigen Menschen ansieht, entfalten die Ursprünge des Wortes „Mut“ eine größere Bedeutung – sie hatten ihre Herzen auf dem richtigen Fleck. Diesen Männern war etwas Wunderbares gemeinsam – die Quelle ihres Mutes.

Es gibt den berühmten biblischen Bericht über drei mutige hebräische junge Männer, denen gesagt wurde, entweder ein goldenes Götzenbild anzubeten oder in einen Feuerofen geworfen zu werden. Diese Jungen blieben standhaft und weigerten sich. Die Bibel zeichnet das auf, was diese, vor ein Ultimatum Gestellen, wahrscheinlich für ihre letzten Worte hielten:

„Wir haben nicht die Absicht, uns vor dir zu verteidigen. Wenn unser Gott, dem wir dienen, uns retten will, dann wird er uns aus dem glühenden Ofen und aus deiner Gewalt retten. Und wenn nicht, so sollst du, König, dennoch wissen, dass wir deinen Göttern nicht dienen und dein goldenes Bild nicht anbeten werden.“ 3

Ich las diesen Bericht im Schutz meines Hauses, Tausende von Jahren nach dieser Situation später – doch die Stärke ihres Glaubens kommt durch ihre Worte immer noch klar zum Ausdruck. Kein Zögern ist darin zu finden, kein Versuch, etwas weniger Gefährliches für sich selbst auszuhandeln. Aber um den Mut zu bekommen, solch einen Standpunkt einnehmen zu können, muss man sich meiner Meinung nach ein wenig in die Vorgeschichte hineindenken. Ich glaube nicht, dass ihre Eltern ihnen jemals gesagt haben: „Eines Tages wirst du vor einen furchteinflößenden König gebracht werden, und es wird einen Feuerofen geben, und du wirst dich zwischen deinem Leben oder der Anbetung eines Götzen entscheiden müssen. Wenn das passiert, denke daran, den Feuerofen zu wählen!“

Stattdessen, denke ich, werden sie ihren Söhnen wohl mehr etwas in dieser Richtung mitgegeben haben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ 4. Und: „Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gottesfürchtige flüchtet sich zu ihm und findet Schutz.“ 5

Shadrachs, Meshachs und Abednegos Eltern konnten nicht wissen, was auf sie zukommen würde, oder wann und wie diese Söhne mit der Notwendigkeit konfrontiert werden könnten, mutig zu handeln. Aber es gab eine Sache, die sie gewiss kontrollieren konnten – das, was in den Herzen ihrer Kinder gespeichert war. „Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.“ 6

Auch wenn wir heute vielleicht nicht mit der gleichen Art von physischer Gefahr oder Schwierigkeit umgeben sind, werden wir alle einmal Zeiten erleben, die emotional oder geistig schwierig sind und Zivilcourage erfordern – den Willen, das zu tun, was wir für richtig halten. Und ich denke, dass das, was wir in einer solchen Zeit tun werden, auf etwas sehr Einfaches zurückzuführen ist, denn es wird das sein, was wir in unserem Herzen gespeichert haben und die Stärke unseres Mutes ausmachen wird.

Jeder liebt eine gute Heldengeschichte. Aber im wirklichen Leben kannst du dich nicht dafür entscheiden, eine Gelegenheit für einen riesigen heroischen Moment zu bekommen – ob du jemanden retten oder auf die eine oder andere Weise die Situation meistern kannst – aber du hast Kontrolle darüber, was du in dein Herz lässt. So kannst du sowohl auf diese herausragenden als auch auf die alltäglichen Momente vorbereitet sein, die Mut erfordern.


  1. Hebräer 11,37-38
  2. Hebräer 11,32-34
  3. Daniel 3,16-18 NeÜ
  4. Mose 6,5 ELB
  5. Sprüche 18,10
  6. Sprüche 4,23