„Die Schlussfolgerung“, schallte die Stimme des Redners, „ist einfach. Danke dem Herrn für die Kleinigkeiten im Leben. Schiele nicht auf die Millionen, sondern freu dich über die Cent.“ Beifall von allen Seiten.

Das Seminar war vorüber. Mit meinem Block voller hastig hingekritzelter Notizen und zwei Broschüren mit Anleitung zur Selbsthilfe, wie man sein Leben genießen kann, trollte ich etwas ratlos aus dem Saal.

Genau genommen war es ein passables Seminar gewesen, allerdings hatte ich nichts Neues gehört. Die Botschaft – sich an den Kleinigkeiten im Leben zu freuen und das jeden Tag – ist so alt wie Methusalem. Wie ich das jedoch umsetzen sollte, blieb mir nach dem Seminar ein Rätsel.

Zu Beginn des Jahres glich mein Leben einem Schlachtfeld. Zu einem fast leeren Bankkonto und lauernden Gesundheitsproblemen gesellten sich nun Angstgefühle, die sich in meiner täglichen Andacht breit gemachten.

Wie konnte ich mich an den kleinen Freuden, wie eine heiße Tasse Tee unter der Wintersonne, erfreuen oder dem vertraulichen Schnurren der Katze auf meinem Schoß, wenn ich keine Ahnung hatte, wie ich den nächsten Monat über die Runden bringen sollte. Es gab keinen Moment, in dem die Alltagsorgen mir nicht mit ihren Sticheleien auf die Pelle rückten und mit logischen Erklärungen dafür, warum mein Leben ein Reinfall war und ich es nicht schaffen würde.

Asyl

Mir stand das Wort ganz deutlich vor Augen, als hätte jemand direkt zu mir gesprochen. Ich brauchte ein Asyl.

Früher bezog sich Asyl auf das Recht einer Person auf Schutz innerhalb der Mauern einer Kirche. Solange die Schutz suchende Person sich innerhalb des Kirchenbereichs aufhielt, wurde ihr Recht auf Asyl respektiert.

Wie könnte das aber auf mich zutreffen?

Ich selbst war auch auf der Flucht, meine Ängste so greifbar wie die Verfolger eines Missetäters im Mittelalter. Sich vor ihnen zu verstecken war unmöglich. Aber es gab das Asyl. „Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gottesfürchtige flüchtet sich zu ihm und findet Schutz.“ 1

Schutz! Ein herrliches Wort.

In der festen Burg Jesu kann ich Ruhe und Kraft finden. Dort kann ich alles mit dem Erlöser besprechen und Er wird mir zeigen, wie ich mit jedem Problem und jeder Angst fertig werden kann.

Und wie steht es mit all meinen Problemen? Sie sind doch immer noch da, oder?

Nach einem Moment im Asyl sind ihre Stiche verschwunden. Es gibt nichts, was Jesus und ich zusammen nicht meistern können. Und das Beste daran ist, ich kann so oft ich will zurück ins Asyl flüchten.


  1. Sprüche 18:10