Der Hinweis eines Blinden

Gerade nach Winnipeg in Kanada umgezogen und noch ohne Internetzugang in meinem Apartment, ging ich zu einem in der Nähe befindlichen Internet-Café, um online einige Arbeiten zu erledigen.

Auf halbem Wege fragte ich mich plötzlich, ob ich daran gedacht hatte, meine Geldbörse einzustecken und hielt an, um in meinem Rucksack nachzusehen. Genau in diesem Moment verspürte ich einen leichten Schlag gegen meinen Fußknöchel. Ich drehte mich herum, um zu sehen, wer mich da „angriff“.

Stell dir meine Überraschung vor: Da stand ein sympathisch aussehender blinder Mann mit seinem weißen Stock in der Hand. Er entschuldigte sich vielmals bei mir. Unter diesen Umständen war es unmöglich, verärgert zu sein. Der Mann sagte noch ein paar Worte und zog dann weiter die Straße entlang.

Ich hatte meine Geldbörse vergessen und ging zurück zu meinem Apartment, um sie zu holen. Auf meinem Weg dorthin dachte ich über diese merkwürdige kleine Begegnung nach. Es war nicht der Schlag auf mein Knöchel, der mich beeindruckte, sondern das Bild dieses Blinden, der zuversichtlich die Straße entlang schritt.

Es brachte mich dazu, über mein eigenes Leben und meine gegenwärtige Situation nachzudenken. Erst kürzlich in eine neue Stadt gezogen, weg von all meinen langjährigen, engen Freunden und Kollegen, war ich immer noch dabei, zu lernen, mich zurechtzufinden. Ich musste einen neuen Arbeitsplatz finden, war mir aber gar nicht sicher, welche Art von Arbeit ich eigentlich wollte. In dem Zusammenhang stand auch an, rechtzeitig mehrere andere Entscheidungen zu treffen. Würde ich beides deichseln können: Beruf und Universität? Wenn nicht, auf welches von beiden sollte ich mich konzentrieren? Wie sollten meine finanziellen Prioritäten lauten, und wie könnte ich sie mit meinen langfristigen Zielen in Übereinstimmung bringen? Bei manchen Fragen wusste ich überhaupt nicht, wo ich beginnen sollte.

Am Anfang von etwas Neuem zu stehen, war aufregend, aber auch beunruhigend. Es schien mehr Fragen als Antworten zu geben.

Vor meinem geistigen Auge sah ich den blinden Mann die Straßen der Innenstadt von Winnipeg entlang steuern, unfähig, zu sehen, wohin er ging. Aber nichtsdestotrotz ging er, und er tat es voller Zuversicht. Wenn er es zustande bringt, seinen Weg zu finden, sagte ich mir, dann werde ich es auch können.