Das Leid eines Radfahrers

Wir leben an einer Landstraße am Rande einer kleinen Stadt. Es gibt zwei Möglichkeiten, uns von ihr aus zu erreichen, aber auf beiden befinden sich für Radfahrer wie meinen Mann und mich mehrere Hindernisse.

Eine Zufahrtsstraße hat ein STOP-Schild, das von den Autofahrern gewöhnlich ignoriert wird. Viele Leute benutzen diese Straße als Abkürzung. Sie sind sich nicht bewusst, dass es Engpässe gibt, Fußgänger, die an Straßenständen einkaufen und einfache Radfahrer auf dem Weg in die Stadt.

Die andere Zufahrt ist eine schmale Landstraße, die direkt vor einer belebten Schule in den Ort führt. Während der Schulzeit scheinen viele Eltern zu vergessen, dass dies eine öffentliche Straße ist. Sie halten an, um auf irgendeine Weise zu parken – dann sitzen sie da und sind mit ihren Handys beschäftigt. Gegenüber der Schule befindet sich eine Baustelle und große Lastwagen versuchen, sich durch all das durchzumanövrieren. Und wieder scheint es, dass der einfache Radfahrer die geringste Sorge aller ist.

Was geschah folglich mit diesem vermeintlich wehrlosen Radfahrer? Ich begann, diese beiden Zufahrten als „Kriegsgebiete“ zu betrachten, und war bereit für den Kampf! Während ich fast täglich in die Stadt radelte, würde ich mental die Szenen der „Ungerechtigkeit“, die mir angetan worden waren, einprägen, sodass ich, als ich nach Hause kam, die Einzelheiten noch einmal nachvollziehen konnte. „Du wirst nicht glauben, was diesmal passiert ist,“ würde ich meinem Mann mitteilen. Jeder Vorfall würde in meinem Kopf verstärkt sein, wenn ich das Ereignis wiederholte. Was hat der verrückte Fahrer getan? Und wie habe ich reagiert?

Bis ich dem ein Ende setzte.

Es war einfach. Ich erkannte, es gab andere wichtigere Themen in meinem Leben, als die, es jeden Tag durch diese beiden engen Gassen zu schaffen! Ich musste mir nur bewusst sein, auf dem Weg in die Stadt ein paar komplizierte Manöver ausführen zu müssen, das ist alles. Beschert nicht jeder Lebensweg einige Hindernisse? Und wenn jeder andere Fahrzeuglenker seine eigenen Kämpfe austrägt, würde es mir etwas ausmachen, geduldiger zu sein? Oder höflicher?

Damals schien der Versuch, das Ärgernis zu überwinden und mich nicht weiter darum zu scheren, wie eine großartige Lösung. Jetzt stellte es sich als das einzig Logische dar. Wenn wir gemeinsam den Weg des Lebens gehen, bin ich sicher, dass auch die Autofahrer manchmal Geduld mit mir haben müssen.