Das Ende

Ich ging durch eine schwere Zeit. Menschen, die mich beleidigt hatten, gingen mir dauernd durch den Kopf und ich schäumte vor Wut und Ärger.

Leider vernebeln Ärger und Verwirrtheit nur meine Sinne und meine Aussichten, lösen aber nicht die Probleme. Meine natürliche Reaktion ist Vergeltung und Zurechtrücken der Dinge, langfristig macht das aber nur alles schlimmer.

Der Autor Dale Carnegie zitierte einmal eine Anweisung der Polizeibehörde: „Wenn Egoisten dich ausnutzen, streiche sie von deiner Liste, aber versuche nicht, es ihnen heimzuzahlen. Wenn du das versuchst, verletzt du dich selbst mehr als du sie.“

Die Schießerei in der Amish-Gemeinde in Pennsylvania bietet ein beeindruckendes Beispiel für aktive Vergebung. Ein gestörter Mann – ein Außenseiter der Gemeinde –ging in ein Schulgebäude der Amish, nahm zehn Mädchen als Geiseln und tötete schließlich fünf von ihnen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Ich kann mir kaum vorstellen, was ihre Familien durchmachen mussten, aber sie vergaben dem Schützen, nahmen Kontakt zu seiner Witwe und deren Kindern auf und richteten sogar einen Hilfsfonds für sie ein.

Sicherlich sind meine Verletzungen minimal, verglichen mit denen, die diese Amish-Eltern erleiden mussten, trotzdem können sie vergeben. Ich erkannte, ein großer Teil meiner Unzufriedenheit beruhte darauf, nicht vergeben zu haben. Deswegen spielen diese Vorfälle sich in meinem Kopf immer wieder ab und bereiten mir eine große Qual.

Richten ist Gottes Vorrecht.1 Unser Vorrecht ist die Vergebung. Sie überzieht unser Herz mit dem Balsam der Heilung und lässt Gott an der Situation so arbeiten, wie Er es für richtig hält. Vergebung befreit nicht den Übeltäter von der Last seiner Taten, entfernt aber Bürden von unserem Herzen. Dies ist eine Lektion, die ich gerne umsetzen möchte.

  1. Siehe Hebräer 12,23.